Stiber Home Laetissime Saltemus Comitas Sulczpach Märchen-Tanja die Erzählende
    

Bekanntmachung: 23.07. Laetissime Saltemus Kastenbauerhaus -- 19.-21.08.16.Cave Gladium Furth i.Wald -  17.-18.9.16 Stollenfest Bergbaustollen Max

 

Artikel in der SRZ und OWZ

Mittwoch, 02.07.2003

Mit Feder und Latein am Werk 

Der Stiber-Kalligraph Andreas Schatz - "Für mich ist Geschichte ein Lebenselixier"

Sulzbach-Rosenberg. (dle) Der Mann mit dem Oberlippenbart wirkt im Stillen. In einen braunen Umhang gehüllt sitzt er in einer Ecke des Pflasterzollhauses und zieht mit Tinte Bleistiftstriche auf einem großen Papierbogen nach. Kühl und ruhig ist es hier drinnen. Ein Kontrastprogramm zu dem Treiben draußen. 

Dort pulsiert das Leben, lässt die Historische Gruppe "Stiber-Fähnlein" beim Altstadtfest die Vergangenheit wieder lebendig werden. Seit drei Jahren ist auch der Mann bei den Stibern, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. Andreas Schatz heißt er. Als Stadtschreiber, Kalligraph und Geschichtsforscher stellt er sich vor. 

Gezielt setzt Schatz die Feder an. Jede Linie sitzt. Schatz ist Heimatforscher aus  Passion; für ihn ist Geschichte ein Lebenselixier. Vor 30 Jahren hat der Beamte damit begonnen. Seitdem besucht er mindestens zwei Mal pro Woche Staats- und bischöfliche Archive. Ständig arbeitet er an Chroniken und Familienstammbäumen. 

Ahnenforschung bedeutet für Schatz Heimatgeschichte. Das Interesse an historischen Gebräuchen und Sitten kam dann in Folge - und ließ ihn nicht mehr los. "Man kann nie aufhören. Jeder sagt 'Ich habe zu spät angefangen. Ich werde im Leben nicht mehr fertig'.

Wühlen in Archiven 
Früher war Schatz auch Fußballer und Kapellmeister in einer Blasmusikgruppe. Das eine hat das andere abgelöst. Nur die Forschung wird ihm bleiben, auch wenn sie Geduld erfordert. Oft sitzt er tagelang im Archiv "wühlt" in alten Büchern und findet trotzdem nicht das, was er sucht. Schriften bis zurück in das 15. Jahrhundert beherrscht er - und natürlich das unverzichtbare Latein, das bis vor zwanzig Jahre noch Amtssprache der katholischen Kirche war. 

Schatz ist nicht der einzige, der sich in alten Akten 'vergräbt'. Ein Pater habe einmal zu ihm gesagt: "Nirgends wird freiwillig so viel gearbeitet, wie im Archiv." Aus eigener Erfahrung weiß der Schwarzenfelder: "Niemand kann aufhören weil`s so spannend und so schön ist". Regelmäßig müssen die Forscher zur Mittagspause vom Archiv-Personal hinauskomplimentiert werden. Sie vergessen einfach die Zeit. 

Die staatlichen Stellen erleichtern ihm die Arbeit ungemein. Ein riesiger Unterlagenfundus stehe zur Verfügung. In Bayern seien durch den Krieg kaum Schriften zerstört worden. 

Nötig sind Geduld und Ausdauer.

Stammbaum braucht Zeit 
"Das ist aber auch für Ältere lernbar" erzählt Schatz. Für ihn wäre es vermessen, sich mit Profis gleichzustellen. "Wenn ich es berufsmäßig machen würde, macht es keinen Spaß mehr Und es muss Spaß machen." Er opfert lieber seine Freizeit und er ist sich bewusst: "Man lässt schon was liegen." 100 Stunden dauert es, bis er einen Stammbaum geschrieben hat, inklusive Forschung, erzählt er und zeigt einen Schnellhefter voll Unterlagen. 

Rund 150 000 Namen mit Daten hat er schon zu Hause sauber archiviert. Orts- und Vereinschroniken erarbeitet Schatz ebenso, etliche Bücher hat er bereits veröffentlich. Leute kommen und wollen wissen, wie lange ihr Haus schon besteht und wie oft es verkauft worden ist. "Besonderheiten interessieren schon". bekennt er und kann spontan die eine oder andere Anekdote erzählen.

Schicksale hinter Lettern
"Die Ludwig-Thoma-Geschichten sind tatsächlich geschehen. Ich könnte ein Theater schreiben". Überhaupt stelle er sich die Schicksale hinter den nüchternen Schriften vor, die betroffenen Menschen. Die Frau, von deren 16 Kindern nur eines überlebte. Die Bauern, die unter ärmlichsten Verhältnissen lebten. Nur den Adel spart Schatz aus.

"Mundart ist Kultur"
Und zum Schluss ereifert sich der Mann mit dem braunen Kittel und der gediegenen Stimme doch etwas . Die Mundart werde mit Füßen getreten. Sie ist ein Stück Kultur, "das wir aussterben lassen". Nirgends gebe es soviel Vielfalt wie in der Mundart, die in jedem Dorf anders ist. "Das ist doch das Schöne. Wir geben das auf - warum?" "Kultur muss man bewahren und weitergeben." Er und seine Freunde vom Stiber-Fähnlein bemühen sich darum.

Bildunterschrift: Ein Kalligraph und Archivforscher muss nicht nur schön schreiben können, er muss genau so gut auch alte Schriften auf Dokumenten entziffern können. Lateinkenntnisse sind dabei oft unerlässlich.

zurück

Fragen oder Kommentare
zu dieser Website an: 
Webmaster
powered-by.gif (1894 Byte)
Copyright © 2001-05
HG Stiber Faehnlein
Stand: 25. April 2016     

ST3
ST2

  Stiber-Fähnlein auf Facebook            

      

 

 
Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.