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Artikel in der SRZ und OWZMittwoch, 02.07.2003 Mit Feder und Latein am WerkDer Stiber-Kalligraph Andreas Schatz - "Für mich ist Geschichte ein Lebenselixier"Sulzbach-Rosenberg. (dle) Der Mann mit dem Oberlippenbart wirkt im Stillen. In einen braunen Umhang gehüllt sitzt er in einer Ecke des Pflasterzollhauses und zieht mit Tinte Bleistiftstriche auf einem großen Papierbogen nach. Kühl und ruhig ist es hier drinnen. Ein Kontrastprogramm zu dem Treiben draußen. Dort pulsiert das Leben, lässt die Historische Gruppe "Stiber-Fähnlein" beim Altstadtfest die Vergangenheit wieder lebendig werden. Seit drei Jahren ist auch der Mann bei den Stibern, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. Andreas Schatz heißt er. Als Stadtschreiber, Kalligraph und Geschichtsforscher stellt er sich vor. Gezielt setzt Schatz die Feder an. Jede Linie sitzt. Schatz ist Heimatforscher aus Passion; für ihn ist Geschichte ein Lebenselixier. Vor 30 Jahren hat der Beamte damit begonnen. Seitdem besucht er mindestens zwei Mal pro Woche Staats- und bischöfliche Archive. Ständig arbeitet er an Chroniken und Familienstammbäumen. Ahnenforschung bedeutet für Schatz Heimatgeschichte. Das Interesse an historischen Gebräuchen und Sitten kam dann in Folge - und ließ ihn nicht mehr los. "Man kann nie aufhören. Jeder sagt 'Ich habe zu spät angefangen. Ich werde im Leben nicht mehr fertig'. Wühlen in Archiven Schatz ist nicht der einzige, der sich in alten Akten 'vergräbt'. Ein Pater habe einmal zu ihm gesagt: "Nirgends wird freiwillig so viel gearbeitet, wie im Archiv." Aus eigener Erfahrung weiß der Schwarzenfelder: "Niemand kann aufhören weil`s so spannend und so schön ist". Regelmäßig müssen die Forscher zur Mittagspause vom Archiv-Personal hinauskomplimentiert werden. Sie vergessen einfach die Zeit. Die staatlichen Stellen erleichtern ihm die Arbeit ungemein. Ein riesiger Unterlagenfundus stehe zur Verfügung. In Bayern seien durch den Krieg kaum Schriften zerstört worden. Nötig sind Geduld und Ausdauer. Stammbaum braucht Zeit Rund 150 000 Namen mit Daten hat er schon zu Hause sauber archiviert. Orts- und Vereinschroniken erarbeitet Schatz ebenso, etliche Bücher hat er bereits veröffentlich. Leute kommen und wollen wissen, wie lange ihr Haus schon besteht und wie oft es verkauft worden ist. "Besonderheiten interessieren schon". bekennt er und kann spontan die eine oder andere Anekdote erzählen. Schicksale hinter Lettern "Mundart ist Kultur"
Bildunterschrift: Ein Kalligraph und Archivforscher muss nicht nur schön schreiben können, er muss genau so gut auch alte Schriften auf Dokumenten entziffern können. Lateinkenntnisse sind dabei oft unerlässlich. |
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