"War es
die Pest?"
oder "Wie es ist, als Ratte zu tanzen"
Viele Jahre ist es her, so 13 oder 14 dürften es
schon sein, da zogen ein paar Kämpfer durch diese Lande, bewehrt mit
besonders dickem Fell und scharfen Zähnen aus Eisen.
Grausam waren diese Zeiten, sie versuchten mit ihren
Künsten die Gunst der Sulzbacher zu gewinnen, was ein schweres
Unterfangen war. Die Kämpfer trafen nur auf seltsam Gewandete, J-e-a-n-s
und, es muß wohl ein recht unangenehm zu tragendes Gewand sein, der Anzug
mit Nadeln.
Ihre Künste zeigten sie jährlich auf dem Altstadtfest
und nur wenige Zuschauer gab es, die überhaupt wußten, worum es ging und
sahen die Kämpfer verwundert an. Wer sieht schon ein paar tanzenden
Ratten zu.
Aber dann kam die Wende. Vor 10 Jahren versammelten sich
in einer dunklen Ecke in Sulzbach einige Ratten, um einen seltsamen Tanz
zu beginnen. War es vielleicht die Pest? Nur so etwas konnte es sein! So
etwas berührte jeden, der da für empfindlich war.
Vielleicht wurden unsere Kämpfer jetzt noch seltsamer
behandelt, waren sie es, die diese entsetzliche Krankheit
mitbrachten?
Aber nein, so konnte es nicht sein.
Sie fühlten sich von Jahr zu Jahr wohler, bei denen,
die scheinbar so schwer erkrankt waren. Es entbrannte förmlich ein Kampf
zwischen den Gesunden, die doch nur ihr bisheriges Leben in Ruhe
weiterleben wollten und den vermeintlich Kranken, die singend, tanzend,
hämmernd, grölend und laaaaut durch die Straßen zogen.
Konnte jemand krank sein, der im vorbeigehen kirchliche
Kreuze zum scheinen brachte, steinerne Löwen fast lebendig werden
ließ?
Ja, so jemand mußte krank sein.
Es kann doch nicht angehen, daß man so ganz ohne Mammon
seine gepflegten Finger rührt.
Schlug die Pest jetzt noch weitere Kreise? Nein, das war
nicht notwendig, denn in vielen verschiedenen Orten brach diese Krankheit
aus!
Und so wie die Ratten das singende Schiff verlassen, so
sprach es sich herum, daß man sich als Ratte in Sulzbach-Rosenberg am
besten tummeln konnte. So zogen lauter Kranke von überall her, um sich zu
versammeln, zu feiern unter ihresgleichen, sich vielleicht noch kränker
zu machen und vor allem -- um die Gesunden auszurotten!!!!
Die Oberratte verstand immer vorzüglich den geheimen
Kammern der Stadt etwas zu entlocken, das letzte Körnchen Korn aus dem
entlegendsten Viertel hervorzuholen, alles so zu bereiten, daß sich bei
den Gesunden vor lauter Staunen allmählich der Wunsch hervortat, doch
endlich auch krank zu werden.
Die Sulzbacher Ratten haben sich überhaupt als sehr
krank erwiesen, besonders starrköpfig, aber auch warm im Herzen,
besonders groß im Reden und noch größer im Schaffen!
Mittlerweile zieht man als gemeine Ratte nach Sulzbach
um zu lernen. Zu lernen wie krank man sein kann, zu lernen und zu leben
wie schön es doch ist, Ratte zu sein.
Ich als Ratte, kann mir keinen schöneren Ort
vorstellen, als Sulzbach und so hoffe ich, daß noch viel mehr Sulzbacher
Ratten noch kränker werden um den Tanz der Ratten zu tanzen.
S.v.d.R