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PestheiligeDie Liste der Pestheiligen ist lange, lt. D.H. Kerler, das
"Patronat der Heiligen" weist alleine 62 Pestheilige auf.
Die heilige Anna - AnnabergAnna wurde mit reicher Ausgestaltung in den Legenden schon in frühchristlicher Zeit dargestellt, seit dem 6. Jahrhundert wird Anna als Marias Mutter verehrt. Der Anna-Kult erreichte in Europa im späten Mittelalter seinen Höhepunkt, als 1481 Papst Sixtus IV. den Gedenktag der Anna in den römischen Kalender aufnahm; 1584 bestimmte Papst Gregor XIII. ihren Festtag. Seit 1500 liegen angeblich Reliquien von Anna in Düren, weitere finden sich in Wien und anderen Städten. Wallfahrten gab es in Annaberg in Niederösterreich, Diözese Breslau, in Nantes und Anne d'Aury in Frankreich. Das "Annawasser" half gegen Fieber, Kopf-, Brust- und Bauchweh. Da dies z.T. auch Symptome der Pest waren wurde St. Anna auch zur Pestheiligen. Die berühmteste Anna-Wallfahrt der Oberpfalz findet sich in Sulzbach. Die Verehrung der Mutter Anna geht auch hier bis ins Mittelalter zurück, wo die Verehrung einen "enthusiastischen" Aufschwung nahm und in der Mitte des 14. Jahrhunderts, also während der ersten großen Pestepidemie, seinen Höhepunkt erreichte. Sie entstand im Peutental, eine gute Stunde nordwestlich von Sulzbach. In einer Urkunde aus dem Jahr 1344 heißt es "das wir durch Gott und Gnade verliehen die Celle und die Kapelle zu Peutental dem ehrbaren Geistlichen Herrn Bruder Nicolas, der Stifter ist derselben Celle und auch Gehorsam getan in Reichenbach." Weiter lässt sich geschichtlich einwandfrei feststellen, dass im Jahr 1394 bereits in Peutental eine Annakapelle bestand. "Im Herbst des Mittelalters" war das Peutental bereits eine blühende Wallfahrtsstätte zum Gnadenbild der Anna selbdritt. Der protestantische Chronist Johannes Braun beschreibt in seiner 1648 fertig gestellten "Nordgau-Chronik", dass "dahin die abergläubigen Leut im Papsttum von Jahren über 20 Meil Wegs gewallfahrtet haben, [...] [und] mithin Wachs, Flachs und andere Opfer gebracht [haben]." Die durch Ottheinrich I. im Jahre 1542 eingeführte Reformation brachte die Wallfahrt allmählich zum Erliegen. Die Annakirche und die Vierzehn-Nothelfer-Kapelle samt Bruderhaus waren dem Verfall preisgegeben. Das Gnadenbild überstand jedoch diese Wirren und wurde im Sulzbacher Schloss unbekannten Ortes aufbewahrt Quelle: Metz, Fritz. Zeitungsartikel in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung, 26.05.1960 "Hilf, St. Anna selbdritt"Die St. Anna-Festwoche wurde 1656 durch Herzog Christian gegründet. Das Gnadenbild auf dem Hochaltar der Annabergkirche ist eine Darstellung der "Anna selbdritt". Damit ist eine Zusammenfassung von Anna, Maria und dem Jesuskind gemeint. Der kaiserliche Rat Jodokus Beißel aus Aachen dichtete um das Jahr 1500 ein Rosenkranzgebet zu Ehren der hl. Mutter Anna. Darin stehen folgende Verse: "Anna, was immer wir bitten von Dir, wird uns nimmer versagt, denn was Du wünschest, das will Tochter und Enkel zugleich." Diese Verse stammen aus dem gläubigen Vertrauen zu "Anna selbdritt". Die Darstellung der "Anna selbdritt" war wohl seit Jahrhunderten so beliebt, weil der Gläubige in ihr die drei wichtigsten Personen des Heilsgeschehens verehren und um Hilfe in der Not des Lebens bitten konnte. "Hilf Sankt Anna selbdritt!", so lautet ein altes Stoßgebet. Das Gnadenbild auf dem Annaberg bildet den Mittelpunkt des
Hochaltars. Die "Anna selbdritt" auf dem Annaberg ist in Holz
gearbeitet, die Holzgruppe ist bemalt. Das Sulzbacher Annaberg-Wallfahrtsbild soll nach Meinung von
Fachleuten aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammen. Das wäre die Zeit
zwischen 1500 und 1520, also die Zeit der späten Gotik, aus dem Gesicht der
Mutter Anna des Annaberger Gnadenbildes spricht die vornehme Gelassenheit einer
Frau von hohem menschlichem Adel, die sich nicht der Welt, sondern Gott ergeben
hat. Quelle: Metz, Fritz. "Hilf, St. Anna selbdritt". Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 14.07.1956
Bis ins 2.Jahrhundert lässt sich der Brauch zurückverfolgen, Maria in der Not um Hilfe anzuflehen. Schutzmantelmadonnen sind in vielen Kirchen zu finden. Von Passau aus fand der Maria-Hilf-Kult seine Verbreitung im ganzen bayrischen Raum. Maria-HilfbergDie schwere Pest 1633/34 kostet zahlreichen
Ambergern, ca. 1/3, das Leben. Da versprach man den Bau einer Kirche, falls die
Pest aufhören würde. Der Jesuitenpater Capar Hell stiftete das Marienbild,
eine Kopie des Gemäldes von Lucas Cranach ( das Original ist in Innsbruck
). Das Bild, beim Brand noch im Turm, wurde nicht
beschädigt. Da die kleine Rundkirche zu klein war, begann man 1697 mit dem Bau
der heutigen Wallfahrtskirche, die 1723 mit der Errichtung des Turmes ihr
heutiges Aussehen erhielt. Das Gnadenbild zieht noch heute unzählige Pilger an. Die Wallfahrt zur "Schönen Maria" in
Regensburg, wie sie hier von Michael Ostendorfer darstellte, war in ihrer
Inbrunst Ausdruck einer wildbewegten Zeit.
Der beliebteste Pestheilige der Oberpfalz war Sebastian. Seine Verehrung zeigte sich auch in der Benennung der "Wastln" oder der Sebastiani-Märkte (Eslarn, Breitenbrunn, Beratzhausen oder Grafenwöhr). In den meisten Oberpfälzer Kirchen gibt es noch eine Darstellung dieses Heiligen, was von seiner breiten Verehrung in der Bevölkerung zeugt. Der Legende nach sollte St. Sebastian durch die
Bogenschützen des Kaisers Diokletian hingerichtet werden. Er überlebte aber
auf wunderbare Weise die zahlreichen Pfeilverletzungen und trat dem Kaiser
erneut gegenüber. Bereits in der jüdischen Überlieferung gilt der Pfeil als Symbol der plötzlich anschwirrenden Krankheit, die Gott selbst oder sein Engel geschickt hat (Ps. 7,13;Job.6,4) und schon in der Ilias spricht Homer von Apollons "schrecklichen Pfeilen" aus dem wohlverschlossenen Köcher, die das Heer trafen "und es brannten tagaus; tagein die Feuer der Toten" (I,44ff.) Auch die Göttin Diana kann Pestpfeile verschießen und in der Offenbarung des Johannes (6,8) wird der Tod auf einem fahlen Pferd reitend mit Pfeil und Bogen dargestellt. Die bedeutendste Sebastians-Wallfahrt in Bayern besteht in Ebersberg, wo die Hirnschale des Heiligen verehrt wird. Aus der Hirnschale wurde der Sebastianswein gereicht, der vor der Pest schützen sollte. Das Minnetrinken zu Ehren der Götter war bei den Griechen, den Römern und auch bei den Germanen bekannt. Nach der Christianisierung war auch das Minnetrinken zu Ehren der Toten und der Heiligen noch in Gebrauch. In der Oberpfalz war vor allem die Sebastiansminne üblich. Die Kirche sah das Minnetrinken ungern, da es nicht selten in ein Besäufnis ausartete. Von diesem Brauch übriggeblieben ist noch der Brauch, am 27. Dezember den Johanniswein weihen zu lassen, währen man sich in Franken am 6. Januar die "Stärke antrinkt". Belege für den Gebrauch des Sebastianweins gibt es in Regensburg, wo für 1520 gemeldet wird, dass "acht Köpf neuen Frankenweins ab St. Sebastians Pfeyl" getrunken wurden.
Der Bekenner Rochus wurde um 1295 in Montpellier geboren und widmete sich besonders der Pflege der Pestkranken. Als er selbst, nach einer Pilgerfahrt nach Rom, von der Krankheit ergriffen wurde, lebte er als Einsiedler im Wald. Dabei wurde er von einem Engel und einem Hund versorgt. Sie gehören, genauso wie die Pestbeulen auf seinem Oberschenkel, zu seinen Attributen. St. Rochus war einer der ersten Schutzpatrone gegen die Pest. Am weitesten verbreitet war seine Verehrung im 16. und 17. Jahrhundert. Sein Kult war damals weiter verbreitet als der des Hl. Sebastian, mit dem zusammen er häufig dargestellt wird. Genauso wie Sebastian wurde auch St. Rochus bei Viehseuchen angerufen. In Hahnbach wurde 1480 eine eigene Rochusmesse gestiftet. Von seiner Verehrung in der Oberpfalz zeugen seine Darstellungen in Utzenhofen, Großprüfening, Mariaort, Strahlfeld, Birnbrunn, Neumarkt und eine Zunftstange in Waldthurn.
Weiter Informationen über alle Heiligen sind unter der Webadresse: http://www.heiligenlexikon.de/ zu finden.
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