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Seidels Pantheon - Vorläufer der Walhalla

 Von Dr. Markus Lommer 

              

Genau vor acht Jahren begann eine für das historische Sulzbach ungemein erfolgreiche Grabungskampagne auf dem Schloßberg. Unter Federführung von "Dr. in spe" Mathias Hensch (Bamberg) förderten die Archäologen aus den Tiefen des mittelalterlichen Burgareals sagenhafte Ergebnisse zu Tage. So wurde auch ein vergleichsweise junges, aber längst verschwundenes Bauwerk - das originelle "Phanteon", das Johann Esaias von Seidl 1830 auf dem Schloßberg erichten ließ, dokumentiert.
Brachbau wieder zum Leben erweckt.


Vorgänger des Pantheons war der sogenannte "Hussenturm", ein Teil jener Befestigungsverstärkung, die Sulzbach um 1430 vor den Einfällen der mörderischen Hussitenhaufen schützen sollte. Nach einem jahrhundertelangen Wechselbad aus Blütezeit und Schicksalsschlägen, Bränden, Veränderungen und Ausbauten verkam die weitläufige Schloßanlage im 18. Jahrhundert zum Brachbau. Seit 1768 nur noch Witwensitz der letzten Sulzbacher Pfalzgräfin Franziska Dorothea, wurde 1791 endgültig die fürstliche Regierung von Sulzbach abgezogen.

Da erweckte anno 1807 der namhafte Verleger Seidel die alte Wittelsbacher Residenz aus dem Dornröschenschlaf: Er erwarb die Gebäude rund um den oberen Schlosshof vom bayerischen Staat, rettete sie vor dem drohenden Verfall und richtete eine großzügige Druckerei ein.

Den verwilderten Schlossberg ließ Seidel kultivieren, in dem prachtvollen Terrassen angelegt wurden. Im Zuge dessen brach man den mittelalterlichen Hussenturm ein, um Platz zu schaffen für Seidels originelle Idee: Ausgehend von den ersten Planungen König Ludwigs I. für die Walhalla bei Donaustauf, wollte Seidel "ebenfalls einen Ruhmestempel für bedeutende Gelehrte  und Staatsmänner errichten und schaffte dies 25 Jahre früher, als der König seinen Bau vollenden konnte" (E.Vogel, Stadtgeschichtebuch S. 772). Der Sulzbacher Bau kann daher als ein Vorläufer der Regensburger Walhalla gelten.

Klassizistischer Rundbau
Sein Name stammt von dem antiken Vorbild des "Pantheon" in Rom, dem Tempel für "alle Götter", so seine wörtliche Bedeutung. J.E.v.Seidels Idee wurde Wirklichkeit in Gestalt eines klassizistischen Rundbaus von eher schlichter Form, sieben Meter im Durchmesser außen. Das Innere gliederten unter anderem vier Nischen, in denen Büsten berühmter bayrischer Herrscher Platz fanden. Weitere Büsten standen auf einem weiter oben befindlichen, umlaufenden Gesims.

Von dort aus blickten sich Schriftsteller und Staatsmänner, Theologen und andere Wissenschaftler gegenseitig an - darunter etwa Regensburgs renommierter Reformbischof Johann M. Sailer, dessen 250. Geburtstag am 17.11.2001 begangen wird. Seidel selbst hatte sich über der Eingangstüre verewigen lassen.

Schlossterrassen
Schlossterrassen

 

Edith Zimmermann M.A. refertierte über die kurze Geschichte dieses Bauwerks am Sulzbacher Schlossberg beim Minerva-Fest des Fördervereins Stadttmuseum.

Einschlägige Literaturhinweise:
Weitere interessante Informationen über das Sulzbacher Schloss, J.E.v.Seidel und sein "Pantheon" sind dem aktuellen, zweibädigen Stadtgeschichtebuch zu entnehmen (Seite 664-668; 743-752; 755-773).

Ausführlich behandelt das Pantheon Elisabeth Vogl M.A. in der Festschrift zum 30. Bayerischen Nordgautag (1994 in Sulzbach-Rosenberg), Seite 3-89. Hier wird insbesondere auch der spannenden Frage nachgegangen, ob und warum man Seidels Pantheon als eine Art "Sulzbacher Walhalla" ansehen könnte.

minerva
Minerva

Auf nackte Monumentalfigur verzichtet
Ganz oben auf dem Kuppeldach dieses Rundtempels sollte ursprünglich eine nackte allegorische Monumentalfigur, auf einer Weltkugel stehend, platziert werden. Stattdessen montierte man eine Vollbekleidete. lebensgroße "Minerva". Das griechische Pendant dieser römischen Göttin wäre Athene, die Patronin der politischen und strategischen Weisheit, der Wissenschaft und der Kunstfertigkeit. Angefertigt hatte sie der bayrische Bildhauer Joseph H. Kirchmayer - aus Blei und nicht aus Bronze, wie man lange Zeit glaubte; und nur fünf statt neun Zentner schwer.
Jedoch: Minerva war es nicht lange vergönnt, von dieser exponierten Stelle aus weit ins Land Richtung Nürnberg hinabschauen zu können. Denn nachdem 1854 das Schloss an den Regensburger Verlag F.Pustet verkauft wurde (Seidel war bereits 1827 verstorben), kaufte 1861 der bayrische Staat diese Gebäude und ließ im Zuge neuerlicher Umbauten das Pantheon im April 1862 abreißen. Die Gipsbüsten samt Minerva-Statue blieben in Sulzbacher Privatbesitz

Schon den Kopf verloren
Vom Zahn der Zeit angenagt, senkte Minerva im Hinterhof der Buchhandlung Seidel freilich Jahrzehnt für Jahrzehnt ihren Kopf immer tiefer. Eine gründliche Restaurierung wurde unumgänglich, sollte dieses wertvolle und originelle Stück Sulzbacher heimatgeschichte nicht ebenso verloren gehen wie das Pantheon. Im April 1999 transportierte man sie ab. Dass sich dabei trotz allergrößter Sorgfalt Minervas Kopf von Ihrem Leib löste, zeigte eindrucksvoll, dass die Zeiger der Uhr den magischen Punkt "fünf vor Zwölf" bereits überschritten hatten.

Minervas glanzvolle Rückkehr
Mit Unterstützung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege wandte der Restaurator Ernst Bielefeld im oberbayrischen Vilsheim rund 300 Arbeitsstunden auf, um die Göttin wieder in altem Glanze erstrahlen zu lassen. Im Frühjahr 2001 kehrte Minerva an Ihren Platz zurück u. erfreut sich wieder bester Gesundheit und - nicht zuletzt - der Gegenwart   Ihres kunst- und geschichtssinnigen Beschützers.

 

 

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Stand: 25. April 2016     

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