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1000 Jahre Heiratspolitik Berchtesgaden Hensch
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Auch für den Kaiser gute Partien
Grafen von Sulzbach stiegen durch geschickte Heiratspolitik auf - 1188 aber ausgestorben

 

Von Johannes Hartmann

Sulzbach-Rosenberg. 30. Oktober 2001
Um es gleich vorwegzunehmen: Vieles von den Ursprüngen der Grafen von Sulzbach muss im Dunkel der Geschichte bleiben, da es an sicheren Beweisen fehlt. Eine Menge verwandtschaftlicher Beziehungen oder Aussagen über den Erwerb von Grund und Boden sind in dieser frühen Zeit Hypothesen. Damals gab es eben noch keine Geburts- und Sterbeurkunden, und schriftliche Nachrichten über Grundstücksübertragungen sind auch nur teilweise und zufällig erhalten.
Einen ersten Anhaltspunkt über die Herkunft des Sulzbacher Grafengeschlechtes bietet die Kastler Reimchronik von 1323/24. Demnach ist ein Herzog Ernst 975 durch eine Sturmflut aus Seeland vertrieben worden und hat sich im sogenannten "Heubisch" zwischen Kastl und Sulzbach angesiedelt.

Diese "Kastler Gründersippe" gilt als Zweig der Konradiner, eins der bedeutendsten Fürstengeschlechter der ottonischen Zeit.

Gründung nicht von Kastl?
Nach der Reimchronik wurden sowohl Kastl als auch Prunn und Sulzbach im 10. Jahrhundert gegründet (also Sulzbach nicht unbedingt von Kastl aus, wie es in der Sage heißt). Vermutlich sind nach dem Schweinfurter Aufstand 1003 die Grafen Gebhard und Berengar mit Gütern und Grafschaftsrechten auf dem Nordgau belehnt worden. 1043 tauchen im Zusammenhang mit einer Besitzübergabe an einen "Minister" von Graf Gebhard die Orte Wurmrausch, Högen und Fürnried im Sulzbacher Raum auf.

Die erste Nennung eines Gebhard von Sulzbach findet sich in einer Urkunde des Klosters Banz aus dem Jahre 1071. Allerdings wird die Urkunde als "verfälscht" angesehen, das heißt, der Inhalt mag stimmen, die Urkunde selber ist aber erst längere Zeit nach dem Rechtsgeschäft erstellt worden.

Der Sohn dieses Gebhard war wohl Graf Berengar I., der mit der bedeutendste Sulzbacher war. Er wirkte als enger Berater Kaiser Heinrichs V. an der Reichspolitik mit und konnte durch seine Eheschließungen den Sulzbacher Machtbereich im süddeutschen Raum wesentlich erweitern. Durch seine Ehe mit Adelheid von Frontenhausen zum Beispiel gelangte er wohl an Besitztümer in Österreich und Vogteirechte im Passauer Raum. Aufgrund ihrer Mitgift und ihres ausdrücklichen Wunsches konnte er die Klöster Baumburg und Berchtesgaden gründen.

Sein Sohn Gebhard II. nahm Mathilde, die Tochter des Welfenherzogs Heinrich IX. von Bayern, zur Frau und bewahrte so die führende Stellung unter den bayerischen Dynastien. Berengars Tochter Gertrud heiratete 1131 den Herzog Konrad von Schwaben (später Kaiser Konrad III.) und ihre Schwester Bertha 1146 Kaiser Manuel I., Komnenos von Byzanz.

Gebhard -Linie erloschen
Gebhard musste erleben, wie sein gleichnamiger einziger Sohn 1167 in Italien an der Pest umkam. Mit dem Tod Gebhards II. war die Linie der Sulzbacher Grafen erloschen.

Einen erheblichen Teil des Sulzbacher Besitzes kann man erst durch die nun folgende Erbaufteilung rekonstruieren.

Als Beispiele seien erwähnt: in Österreich Besitzungen im Lungau im heutigen Bundesland Salzburg; in der nördlichen Oberpfalz gehörte der Raum Floß, Parkstein und Tirschenreuth zum Einflussbereich der Sulzbacher; in der näheren Umgebung können noch Ammerthal, Creußen sowie die Gründung des Klosters Michelfeld genannt werden.

 

Letzter Schritt fehlte
Sulzbacher Grafen in rangniedrigerer Adelsschicht

Sulzbach-Rosenberg. Wichtige Aufschlüsse über die Sulzbacher Grafen lassen sich aus Titulatur und Siegelgewinnen. Dabei geht es um die Frage, ob und ab wann sich die Sulzbacher in den von ihnen ausgestellten Urkunden selber als Graf von Gottes Gnaden bezeichneten, wie üblich. Die Sulzbacher verwendeten nämlich den Zusatz von Gottes Gnaden nicht, das heißt überspitzt ausge drückt, ihre Grafschaftsrechte hatten sie von anderen als Gnade erhalten. Auch dass in dem einzigen überlieferten Siegel Graf Gebhards von 1179 der Reiter keine Fahnenlanze, sondern nur ein Schwert trägt, deutet darauf hin, dass die Sulzbacher Grafen bereits Mitte des 12. Jahrhunderts einer rangmäßig niedrigeren Schicht des Dynastenadels angehörten. Sie hatten zwar vom Reich rührende Lehen, aber keine Fahnlehen und damit auch keine vom Reich ausgehende Grafschaft.

Wanderwitz urteilt über die Grafen von Sulzbach: "Sie gehörten kraft ihrer verwandtschaftlichen Verflechtungen zweifellos zu den vornehmsten Geschlechtern des Reiches." "Trotzdem muss man sie als Mitglieder einer zunehmend bedeutungsloser werdenden Adelsschicht ansehen: Sie gehörten zu jenen Dynastengeschlechtern, die den letzten Schritt zur Territorialisierung nicht tun wollten oder nicht tun konnten; sie vollzogen die Entwicklung vom Geburtsrang zum Territorialfürstentum schließlich nicht mehr mit". Ob ausschließlich die Tragik der Familie in den letzten beiden Generationen die Ursache für dieses Verhalten war, oder ob die Einsicht in die macht- politischen Notwendigkeiten jener Zeitläufe fehlte, wird wohl nie mehr festzustellen sein..."

kastl

Gotische Stifterfiguren der Kastler Klosterkirche:
Graf Berengar von Sulzbach, wichtigster Spross,
neben Friedrich und Otto von Kastl (v.r.)

gertrud_1146
Die 1146 verstorbene Gertrud von Sulzbach wurde als Gemahlin Konrads III. Kaiserin. Die Abbildung zeigt ihre Gedächtnistafel in der Klosterkirche Ebrach.

gebh_siegel_
Das einzige erhaltene Siegel Graf Gebhards aus dem Jahr 1179 zeigt einen Reiter, der anstelle der Fahnenlanze nur ein Schwert trägt.



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