Von Johannes Hartmann
Sulzbach-Rosenberg. 30. Oktober 2001
Um es gleich vorwegzunehmen: Vieles von den Ursprüngen der Grafen von Sulzbach muss im
Dunkel der Geschichte bleiben, da es an sicheren Beweisen fehlt. Eine Menge verwandtschaftlicher
Beziehungen oder Aussagen über den Erwerb von Grund und Boden sind in
dieser frühen Zeit Hypothesen. Damals gab es eben noch keine Geburts- und Sterbeurkunden,
und schriftliche Nachrichten über Grundstücksübertragungen sind auch nur teilweise und
zufällig erhalten.
Einen ersten Anhaltspunkt über die Herkunft
des Sulzbacher Grafengeschlechtes bietet die Kastler Reimchronik von 1323/24. Demnach ist
ein Herzog Ernst 975 durch eine Sturmflut aus Seeland vertrieben worden und hat sich im
sogenannten "Heubisch" zwischen Kastl und Sulzbach angesiedelt.
Diese "Kastler Gründersippe" gilt
als Zweig der Konradiner, eins der bedeutendsten Fürstengeschlechter der ottonischen
Zeit.
Gründung nicht von Kastl?
Nach der Reimchronik wurden sowohl Kastl als auch Prunn und Sulzbach im 10. Jahrhundert
gegründet (also Sulzbach nicht unbedingt von Kastl aus, wie es in der Sage heißt).
Vermutlich sind nach dem Schweinfurter Aufstand 1003 die Grafen Gebhard und Berengar mit
Gütern und Grafschaftsrechten auf dem Nordgau belehnt worden. 1043 tauchen im
Zusammenhang mit einer Besitzübergabe an einen "Minister" von Graf Gebhard die
Orte Wurmrausch, Högen und Fürnried im Sulzbacher Raum auf.
Die erste Nennung eines Gebhard von Sulzbach
findet sich in einer Urkunde des Klosters Banz aus dem Jahre 1071. Allerdings wird die
Urkunde als "verfälscht" angesehen, das heißt, der Inhalt mag stimmen, die
Urkunde selber ist aber erst längere Zeit nach dem Rechtsgeschäft erstellt worden.
Der Sohn dieses Gebhard war wohl Graf Berengar
I., der mit der bedeutendste Sulzbacher war. Er wirkte als enger Berater Kaiser Heinrichs
V. an der Reichspolitik mit und konnte durch seine Eheschließungen den Sulzbacher
Machtbereich im süddeutschen Raum wesentlich erweitern. Durch seine Ehe mit Adelheid von
Frontenhausen zum Beispiel gelangte er wohl an Besitztümer in Österreich und
Vogteirechte im Passauer Raum. Aufgrund ihrer Mitgift und ihres ausdrücklichen Wunsches
konnte er die Klöster Baumburg und Berchtesgaden gründen.
Sein Sohn Gebhard II. nahm Mathilde, die
Tochter des Welfenherzogs Heinrich IX. von Bayern, zur Frau und bewahrte so die führende
Stellung unter den bayerischen Dynastien. Berengars Tochter Gertrud heiratete 1131 den
Herzog Konrad von Schwaben (später Kaiser Konrad III.) und ihre Schwester Bertha 1146
Kaiser Manuel I., Komnenos von Byzanz.
Gebhard -Linie erloschen
Gebhard musste erleben, wie sein gleichnamiger einziger Sohn 1167 in Italien an der Pest
umkam. Mit dem Tod Gebhards II. war die Linie der Sulzbacher Grafen erloschen.
Einen erheblichen Teil des Sulzbacher Besitzes
kann man erst durch die nun folgende Erbaufteilung rekonstruieren.
Als Beispiele seien erwähnt: in Österreich
Besitzungen im Lungau im heutigen Bundesland Salzburg; in der nördlichen Oberpfalz
gehörte der Raum Floß, Parkstein und Tirschenreuth zum Einflussbereich der Sulzbacher;
in der näheren Umgebung können noch Ammerthal, Creußen sowie die Gründung des Klosters
Michelfeld genannt werden.