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Bekanntmachung: 23.07. Laetissime Saltemus Kastenbauerhaus -- 19.-21.08.16.Cave Gladium Furth i.Wald -  17.-18.9.16 Stollenfest Bergbaustollen Max

http://www.schauhuette.de/blog/archives/116  Dr. Mathias Hensch

Von (cog)  |  24.07.2008  | Netzcode: 1472242

Sulzbach-Rosenberg

Zeitreise durch die Epochen

Sulzbach-Rosenberg. (cog) Es ist ein verwinkeltes Gebäude, die so genannte Alte Lateinschule am Pfarrplatz. Immer wieder wurde an- und umgebaut, und bei der Auflösung des Simultaneums das ganze Haus geteilt. Der Kirchenvorstand der Christuskirche inspizierte jetzt die evangelische Hälfte des Gebäudes, wo der Archäologe Dr. Matthias Hensch bei Ausgrabungen bedeutende Funde getan hat.

Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz, Dekan Karlhermann Schötz und Pfarrer Wolfgang Bruder führten die Kirchenvorsteher durch das Haus. Im Erdgeschoss, im zukünftigen Wohnzimmer der Pfarrwohnung, hat der Archäologe etwa 50 cm unter Niveau des alten Fußbodens die Reste eines mittelalterlichen Brunnenturms entdeckt, der die Bedeutung der Stadt Sulzbach im Mittelalter belegt.

Der Raum war eine Zeitreise. An den Wänden hingen noch Tapeten aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts und eine Telefonliste aus den neunziger Jahren, der Fußboden dagegen stammte aus dem frühen Mittelalter. Dekan Schötz wies auf ein Loch im gewachsenen Fels hin, das sogar etwa 1000 Jahre alt ist. Die Ausgrabung wird nach genauer Untersuchung mit Vlies abgedeckt und wieder verfüllt. Im zukünftigen Amtszimmer, einem Raum mit Tonnengewölbe, sahen die Kirchenvorsteher einen historischen Graben aus dem 15. Jahrhundert.

Kein Schatz gefunden

In einem Kellerraum hat man eine Vase entdeckt, in der man im Mittelalter nach einer Niederkunft die Nachgeburt vergraben hatte, ein heidnischer Brauch, der sich lange hielt. Bei den Grabungen tauchten auch einige Knochen auf - aber (bisher) leider noch kein Schatz. Einige Räume haben historische Holzdecken, ein Zimmer im ersten Stock besitzt sogar eine prächtig geschnitzte Bohlen-Balken-Decke.

Vorstand der Christuskirche inspiziert Pfarrplatz-Baustelle - Wertvolle Balkendecke

"Dies ist die schönste Bohlen-Balken-Decke der Stadt", so Dekan Schötz, "sogar noch wertvoller als die im Rathaus." Er wies auf geschnitzte Ornamente hin. Auch ein Drudenfuß oder Pentagramm ist zu erkennen, außerdem ein Salomonsknoten. Die Decke wird restauriert, sie soll offen bleiben.

Die Pfarrer führten den Kirchenvorstand bis auf den Dachboden, der mit einem Aufzug erschlossen wird. Dort oben bekommt der evangelische Männerbund Räume, zusätzlich wird ein Gemeindesaal mit 70 Plätzen eingerichtet.

Spenden dringend benötigt

Die Mitglieder des Kirchenvorstands waren beeindruckt. Vertrauensmann Günter Schultheiß fasste seinen Eindruck zusammen: "Wir haben mit der Lateinschule ein echtes Juwel. Bald wird es wieder in voller Schönheit erstrahlen." Dekan Schötz und Stadtpfarrer Kurz erinnerten daran, dass noch dringend Spenden für die Sanierung des historischen Gebäudes benötigt werden.

 

Von Sepp Lösch  |  11.12.2008  | Netzcode: 1640076
Sulzbach-Rosenberg

Frühe fränkische Groß-Burganlage?

Neue überraschende archäologische Erkenntnisse in der Neustadt: Ein dritter Graben entdeckt

Sulzbach-Rosenberg. Schwere Baumaschinen graben die Sulzbacher Neustadt um, und Archäologen wachen im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege mit Argusaugen darüber, dass nicht wertvolle historische Befunde vor ihrer genauen Untersuchung und Dokumentation zerstört werden. Dr. Mathias Hensch blättert im Erdreich sozusagen wie in einem Buch: In den vergangenen Tagen hat er einen dritten, diesmal frühmittelalterlichen Befestigungsgraben freigelegt.

Bereits im Sommer hatten die Archäologen bei ihren Grabungen im Zuge der Sanierung der Sulzbacher Neustadt in Höhe Christuskirche/Buchhandlung Volkert die Befestigungsmauern der frühesten Sulzbacher Burgsiedlung erfasst. Vorgelagert wurden zwei Gräben gefunden, von denen der innere im 13., der äußere vermutlich im 14. Jahrhundert wieder verfüllt wurde.

Fels mit Feuer gesprengt

Jetzt stießen Mathias Hensch und seine Mitarbeiterinnen Ines Buckel und Jeannine Bruse von der Firma Arcteam auf einen dritten Graben, der etwa in Höhe Foto Neuber (Hausnummern Neustadt 8/9) die heutige Straße quert. Dieser Graben wurde teilweise sogar in anstehenden Fels eingeschlagen. Und eindeutige Brandspuren weisen darauf hin, dass die Erbauer dieser Befestigung das harte Dolomitfelsgestein mit Hilfe von gezielt gelegtem Feuer zersprengt haben. Auch dieses Befestigungssystem sollte die Burg und Vorburg Sulzbach offensichtlich vor allem gegen Reiterangriffe aus Norden und Nordosten schützen.
Wie Dr. Mathias Hensch bei einem Ortstermin in Anwesenheit von 1. Bürgermeister Gerd Geismann und Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Landesamt für Denkmalpflege berichtete, sind zumindest die Verfüllschichten in diesem Graben deutlich älter als in den beiden zuerst entdeckten Gräben. Unter den spärlichen Funden sind Keramikscherben, die aus der späten Hallstatt- oder frühen La-Tène-Zeit datieren dürften (6. und 5. Jahrhundert vor Christus). Sie korrespondieren zeitlich mit Funden einer keltischen Siedlung im Bereich des Schlossfelsens. Die jüngsten gefundenen Scherben sind frühmitttelalterlich und stammen vermutlich aus dem 7. Jahrhundert.

In der Merowinger-Zeit

"Wenn wir wirklich feststellen sollten, dass wir hier Keramik aus der Zeit vor dem 8. Jahrhundert haben, dann wäre das ein Siedlungsnachweis für die Merowinger-Zeit", so Dr. Hensch. Und damit wiederum wäre ein zeitlicher Zusammenhang hergestellt mit dem fränkischen Königshof Lauterhofen. Weitere drei bis fünf C 14-Datierungen des Fundmaterials, deren Finanzierung Bürgermeister Gerd Geismann bereits zugesagt hat, sollen hier Klarheit schaffen.

Infolinks:    

http://www.schauhuette.de/blog/archives/117 Dr. Hensch

Königshof Lauterhofen   

http://www.kulturwanderungen.de/bistum/84%20lauterhofen/lauterho.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Lauterhofen

http://www.lauterhofen.de/infos/geschichte/lauterhofen_aelteste_siedlung.pdf



 

Von Sepp lösch  |  05.09.2008  | Netzcode: 1522880
Sulzbach-Rosenberg

Wie ein "Hochsicherheitstrakt"

Archäologen untersuchen Vorburg Sulzbachs

Sulzbach-Rosenberg. Die Vorburg erstreckte sich von der eigentlichen Kernburg auf dem Felsrücken über dem Erlbach in Richtung des heutigen Luitpoldplatzes und der Neustadt. Hier lebten Handwerker, hier hauste das Burggesinde, stand Vieh in den Ställen und hier hatte wohl auch die militärische Burgbesatzung ihre Unterkünfte. Die Vorburg war das Versorgungs- und Logistikzentrum der frühmittelalterlichen Herren von Sulzbach. Ein massiv befestigter "Hochsicherheitstrakt" dehnte sich hier aus. So könnte man mit heutigen Worten sagen, wenn man jüngsten Ergebnisse der archäologischen Forschungen in der Sulzbacher Neustadt betrachtet.

Vermutungen bestätigt

Dr. Mathias Hensch, der mit seinem Grabungsteam nun schon seit mehreren Wochen parallel zur bereits gestarteten Oberflächensanierung der Neustadt den Untergrund nach geschichtlichen Zeugnissen durchforstet, hatte recht mit seinen Vermutungen. Quer zur Christuskirche verlief hier etwa in Höhe Buchladen Volkert die frühmittelalterliche Befestigungsanlage und die spätere Stadtmauer des 14. Jahrhunderts.

Eine zwar nicht allzu hohe, aber mehrere Meter breite Mauer grenzte die Vorburg vom freien Feld ab. Zusätzlichen Schutz bot ein vorgelagertes gestaffeltes Wall- und Grabensystem, das als sogenanntes "Annäherungshindernis" vor allem feindliche Attacken berittener Truppen erschweren oder unmöglich machen sollte. Entstanden ist dieses frühe Befestigungswerk nach Einschätzung der Experten zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert.

Archäologen untersuchen Vorburg Sulzbachs

Zehn Meter breit und mehrere Meter tief stellte schon der erste Graben außerhalb der Mauer für Angreifer ein schwer lösbares Problem dar. Wollten sie bis zu diesem Hindernis vordringen, mussten sie jedoch zuvor schon ein weiteres vorgesetztes Doppelgraben-System mit einer Palisadenwand aus Holz oder Flechtwerk überwinden.

Eine harte Nuss also, diese frühmittelalterliche Burg-Wehranlage, und wir wissen nicht, ob sie jemals von Feinden geknackt werden konnte. Schwere Angriffe erlebte sie jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit, wie gefundene Spuren einer großen Brandlegung an der Mauer vermuten lassen.

"Sehr dicke Luft"

Mit Sicherheit kann Archäologe Dr. Mathias Hensch anhand zahlreicher Funde sagen, dass der innere Graben im 14. Jahrhundert wieder verfüllt wurde. Dazu dienten auch große Mengen von Verhüttungsschlacken, was auf Eisenverhüttung in großem Stil schließen lässt. Ob die alten Sulzbacher ihr Eisen mit Rennöfen oder bereits mit der fortschrittlicheren Hochofentechnik gewannen, müsste erst noch durch labortechnische Untersuchung der Schlacken ermittelt werden. Aber eines ist klar: Die Menschen am "Eisenhütten-Standort Sulzbach" des 14. Jahrhunderts hatten sehr dicke Luft einzuatmen.

Zeittafel Deutsche Könige
Heinrich IV. 1056/84-1106 Salier
Rudolf von Rheinfelden (Gegenkönig) 1077-1080 Rheinfeldener
Hermann von Salm (Gegenkönig) 1081-1088 Lützelburger
Konrad, Sohn Heinrichs IV. (Gegenkönig ab 1093) 1087-1098 Salier
Heinrich V. 1106/11-1125 Salier

Von (lö)  |  04.09.2008  | Netzcode: 1521979
Sulzbach-Rosenberg

Vorburg gut beschützt

Archäologen legen in der Neustadt Grabensystem frei

Jede Menge Keramik, Verhüttungsschlacke, Tierknochen - alles in allem Fundstücke, die sich für den Experten zu einem klaren Bild zusammenfügen. Quer über die Straße Neustadt in Höhe der heutigen Christuskirche verlief die erste groß angelegte frühmittelalterliche Befestigung der damaligen Sulzbacher Vorburg.

Diese Vorburg gehörte sozusagen als Versorgungsbereich zur herrschaftlichen Kernburg, die sich auf dem Felsrücken des heutigen Herzogsschlosses erhob.

Die Archäologen betreiben ihre aktuelle Grabungskampagne in der Neustadt sozusagen im Wettlauf mit der Zeit, denn bei aller Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser wissenschaftlichen Erforschung der frühen Sulzbacher Burg- und Stadtgeschichte soll natürlich die bereits gestartete Oberflächensanierung der Neustadt nach Möglichkeit nicht zu sehr hinausgezögert werden.

Wie es Archäologe Dr. Mathias Hensch vorausgesagt hat, befand sich vor der ältesten Sulzbacher Burg- bzw. Stadtmauer ein gestaffeltes Wall- und Grabensystem zur Abwehr von Feinden. Lesen Sie dazu mehr in unserer morgigen Ausgabe.

16.08.2008  | Netzcode: 1502201
Sulzbach-Rosenberg

Er holt Geschichte aus dem Boden

Forschungsarbeiten des Archäologen Dr. Mathias Hensch erhellen Sulzbachs frühe Phase

Sulzbach-Rosenberg. Am späten Montag Abend ist die Grabungsstelle in der Neustadt trotz Abdeckung mit Planen in sintflutartigen Gewitterfluten abgesoffen - der Wettergott meint es nicht gut mit den Archäologen. Dennoch stand Dr.Mathias Hensch gestern pünktlich 10 Uhr in der halbwegs trockenen Grube, um zahlreiche interessierte Sulzbach-Rosenberger über seine momentanen Forschungen zu unterrichten.

"Die älteste Geschichte von Sulzbach ist, wie könnte es auch anders sein, im Boden versteckt. Umso wichtiger sind solche Grabungen im Vorfeld von Baumaßnahmen, um mit der Zeit etwas Licht ins Dunkel zu bringen", erläuterte der Archäologe eingangs die Bedeutung seiner aktuellen Arbeit.

Seit Beginn der 90er Jahre mit dem Terrain Sulzbach bestens vertraut (damals gingen die Grabungen im Kernbereich des Sulzbacher Schlosses über die Bühne), hat Dr. Mathias Hensch immer wieder mit teils spektakulären Grabungsbefunden in der Region aufwarten können. Sei es nun im Schloss, auf dem Frohnberg, in Ermhof bei Neukirchen und neuerdings eben in der Sulzbacher Neustadt, wo zeitgleich vor einigen Wochen die Oberflächensanierung der Straße begonnen hat.

 INFOLINK Ermhof  http://www.schauhuette.de/blog/archives/6

Stützpunkt der Franken

Sulzbach war im Frühmittelalter noch keine Stadt, dafür aber ein offenbar sehr bedeutender Burgort: Mit einer wohl im 8. Jahrhundert auf Initiative der fränkischen Könige entstandenen Kernburg (am Standort des heutigen Herzogsschlosses) und einer sehr ausgedehnten Vorburg, die sich über den Luitpoldplatz bis fast hinauf zur Christuskirche erstreckte. Diese Vorburg muss man sich als das wirtschaftliche Herz der Burganlage denken, mit Landwirtschaft, handwerklichen Werkstätten usw.

Anfänge der Stadt

Erst im 12./13. Jahrhundert entstand nach neueren Erkenntnissen, die großteils auf den archäologischen Forschungen von Hensch basieren, aus der Burg die Stadt Sulzbach, die dann sehr bald (im 14. Jahrhundert unter Kaiser Karl IV.) um die Neustadt erweitert wurde.

Im südlichen Bereich der aktuellen Grabungsstelle legten die Archäologen Reste der frühmittelalterlichen Befestigungsmauer der Vorburg frei. Sie weist das für die Zeit des 9./10. Jahrhunderts typische Mauertechnik auf (aus mächtigen Lesesteinen zusammengefügt) und stellt laut Hensch mit über drei Metern Basisbreite die mächtigste gemauerte Befestigung des Frühmittelalters dar, die man bisher kennt. Mauerwerk dieser Art kennen die Archäologen auch von der Sulzbacher Kernburg oder auch von der Burg Ammerthal.

Einige Meter weiter in Richtung Neustadt legten die Wissenschaftler Reste einer zweiten Mauer frei, bei der es sich, ihrer Bauart nach zu schließen, um die erste Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert handeln dürfte. Diese Mauer umschloss nach jetzigem Kenntnisstand bereits eine Fläche von immerhin rund vier Hektar.

Wo liegt der Graben?

Da die Archäologen nördlich dieser Stadtmauer einen breiten Graben vermuten (auf der natürlichen Geländekuppe in Höhe des Eingangs der Christuskirche), konzentrieren sich in den kommenden Wochen die Grabungen darauf, diesen Befestigungsgraben zu finden. "Es handelt sich hier", so Dr. Mathias Hensch bei dem Ortstermin für die interessierte Bürgerschaft, "um einen hochsensiblen Bereich, der uns über die Sulzbacher Stadtgeschichte eminent viel zu sagen hat."

 

Von Sepp Lösch  |  07.08.2008  | Netzcode: 1490221
Sulzbach-Rosenberg

Hat Heinrich IV. Sulzbach berannt?

Denkmalpflege spricht von wissenschaftlich "hoch brisanten" Befunden in der Neustadt

Sulzbach-Rosenberg. Hat Kaiser Heinrich IV. oder einer seiner Heerführer bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinem Sohn Heinrich V. Sulzbach belagert und Feuer an die Stadtmauer gelegt? Nur eine von vielen spannenden Fragen, die sich stellen angesichts der Befunde, die Archäologe Dr. Mathias Hensch mit seinem Grabungsteam im Vorfeld der Oberflächensanierung der Sulzbacher Neustadt aus dem Dunkel der Geschichte ans Licht bringt.

Oberkonservatorin Dr. Silvia Codreanu-Windauer ließ sich gestern über den aktuellen Stand der Grabung informieren und fand schnell zum Superlativ: "Einfach kollosal, das sind Funde von überregionaler Bedeutung".

Immer klarer und plastischer wird das Bild vom frühen Sulzbach, das Dr. Mathias Hensch aus vielen Mosaiksteinchen zusammensetzt - auch die "Scheibchen-Archäologie", wie sie nun parallel zu der bereits gestarteten Sanierung der Straße in der Neustadt betrieben wird, trägt dazu wertvolle neue Erkenntnisse bei.

Der Wissenschaftler kann nun schon mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Sulzbacher Anfänge bis ins 8. Jahrhundert zurück reichen. Möglicherweise existierte bereits in der Merowingerzeit eine kleine Ansiedlung zu Füßen des Schlossfelsens, denn auch der Name Sulzbach verweist darauf, dass man diese Ansiedlung eher in der Bachniederung suchen muss als auf dem Felsplateau der späteren Burg.

Kernburg und Vorburg

Ab dem 8. Jahrhundert dürfte sich dann ein Burgort Sulzbach entwickelt haben, mit der Kernburg im Westen (heutiger Schlossbereich) und einer ausgedehnten, ebenfalls befestigten Vorburg, die östlich vorgelagert war (heutiger Bereich Luitpoldplatz). Hensch: "Aus dieser Vorburg entwickelte sich erst im späten 12. oder im beginnenden 13. Jahrhundert das, was man Stadt Sulzbach nennen kann.

Die erste kleine Sensation der aktuellen Grabung in der Neustadt zwischen Bruckner-Anwesen und Neustadt 4: Die Archäologen haben Reste der drei Meter mächtigen Befestigungsmauer dieser frühmittelalterlichen Vorburg gefunden. Die demnächst erfolgende C 14-Datierung der unter dieser Mauer entdeckten Holzkohlepartikel wird noch genauere Angaben über das Alter des Bauwerks ermöglichen.

Die erste Stadtmauer

Wenige Meter oberhalb dieses Fundes (in Richtung Christuskirche) stießen die Wissenschaftler auf einen weiteren Mauerrest von rund eineinhalb Metern Dicke, der später außenseitig noch einmal um rund 40 Zentimeter Mauerwerk verstärkt wurde: Die erste Sulzbacher Stadtmauer aus der Zeit des Hochmittelalters.

Eindeutig die Indizien, die auf ein "Brandereignis" (Hensch) an dieser Mauer verweisen: Eine Schicht Brandschutt vor der Befestigung, die Asche eines größeren Brand, die zur Mauer hin sogar noch böschungsartig angehäuft wurde. Hier, so vermutet der Archäologe, könnten Truppen Kaiser Heinrichs IV. während des Investiturstreits Sulzbach belagert und Feuer an die Stadtmauer gelegt haben.

Dieses Bild würde sich nahtlos in die Geschichtsschreibung einfügen, denn man weiß, dass sich der damals sehr einflussreiche Reichsgraf Berengar von Sulzbach auf die Seite des rebellierenden Kaisersohnes Heinrich V. geschlagen hatte.

Das Torwärterhaus

Innerhalb der ersten Stadtmauer Stadt lag an dieser Stelle wohl auch ein Torhaus. Reste des Stadttores zur späteren Neustadt hin (sie entstand erst unter Karl IV. im 14. Jahrhundert) stecken im Haus Neustadt 4, und direkt davor haben Dr. Mathias Hensch und seine Mitarbeiterinnen Ines Buckel M.A. und Anna Mühlbauer M.A. eine kleine Fläche Feuersteinpflaster freigelegt - die Innenraum-Pflasterung des Torwärterhauses.

 

Von (lö)  |  02.08.2008  | Netzcode: 1484550
Sulzbach-Rosenberg

Neues aus der "Unterwelt"

Historischer Keller in der Neustadt: Es wird spannend, meint Dr. Mathias Hensch

Wo immer im historischen Stadtkern von Sulzbach aufgegraben wird, ist der Archäologe Dr. Mathias Hensch nicht weit: So auch momentan in der Neustadt, wo schon bei den ersten Arbeiten zur Oberflächensanierung wieder auf wichtige Spuren unserer Stadtgeschichte stieß.

Zwischen den Anwesen Bruckner und Hausnummer Neustadt 4 (früher Eichmüller) fanden sich die Reste eines mittelalterlichen Kellers, vermutlich aus dem 14. Jahrhundert, womöglich in einer noch früheren Bauphase sogar aus dem 13. Jahrhundert.

Die Stadtbürger zur großen Sulzbacher Blütezeit unter Kaiser Karl IV. dürften nicht zu den Ärmsten ihrer Epoche gezählt haben. Darauf lässt allein schon die baulogistisch durchaus aufwändige Anlage eines großen Vorratsraumes schließen, wie man ihn jetzt in der Neustadt gefunden hat.

Der vom Anwesen Bruckner her noch zugängliche Keller entstand in zwei Bauphasen: Zunächst mit einer flachen Balkendecke (evtl. aus dem 14. Jahrhundert, später dann möglicherweise erweitert und mit einem Tonnengewölbe versehen. Die Kellerdecke wurde abgedichtet mit graublauem Opalinuston, der vermutlich aus dem Vilstal nach Sulzbach transportiert wurde. Das gleiche Material übrigens, das auch die Erbauer der kürzlich entdeckten mittelalterlichen Filterzisterne bei der alten Lateinschule zum Abdichten verwendeten.

Die Archäologen Dr. Mathias Hensch und Ines Buckel M.A. sind noch diese und nächste Woche in der Neustadt zugange: "Das ist jetzt eine eminent wichtige und spannende Phase", so Mathias Hensch. Im 14. Jahrhundert gab es nämlich just im momentanen Grabungsbereich ein Stadttor zur Neustadt hin. Eine der Torwangen dürfte noch im Gebäude Neustadt 4 stecken.

Und wo ein Tor war, war auch eine Mauer. Hensch: "Wir haben die einmalige Chance, eventuell etwas über die Datierung der ältesten Sulzbacher Stadtbefestigung zu erfahren". Es ist nicht auszuschließen, dass hier im Boden sogar Mauerreste aus vorromanischer Zeit schlummern.

Von (ge)  |  29.07.2008  | Netzcode: 1478891
Sulzbach-Rosenberg

Startschuss für ein "Jahrhundertprojekt"

Sanierung der Neustadt hat begonnen - Granitpflaster, höhengleiche Gehsteige und sieben Bäume

Der Anfang ist gemacht: Mit vereinten Kräften gingen die Verantwortlichen um Bürgermeister Gerd Geismann am Montag in der Frühe zu Werke, um mit einem Spatenstich ein "Jahrhundert-Projekt" zu eröffnen. Das Stadtviertel, 1353 von Kaiser Karl IV. angelegt, wird in den Bereichen Neustadt, in Teilbereichen der Pfarrgasse, Kunst-Fischer-Gasse und Neutorgasse neu gestaltet: Wasserleitung, Kanal, Straßenbeleuchtung, Oberfläche und Bepflanzung entstehen unter städtebaulich-denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Rund 1,3 Millionen wird die Maßnahme kosten, die sich in vier Bauabschnitte aufgliedert. Etwa 300 000 Euro davon müssen die Anlieger tragen. Dafür erhalten sie eine mit Granitpflaster und Bäumen dem Luitpoldplatz angeglichene Straße ohne erhöhte Gehsteige auf 320 Metern Gesamtlänge, vom Anwesen Bruckner bis zur Einmündung An der Allee.

Der erste Bauabschnitt zieht sich bis zur Einmündung Pfarrgasse und soll im Herbst fertig sein, dann folgt noch heuer Abschnitt Nummer 2 bis Ende Raiffeisenbank. Nummer 3 umfasst 2009 das Stück bis Einmündung Neutorgasse, der letzte Teil beinhaltet den Neutorplatz und die Straße bis zur Allee. Die Bauleitung hat das Ingenieurbüro Renner-Consult, die Ausführung die Fa. Englhard Bau

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Stand: 25. April 2016     

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