Beginnen wir mit der
Karolinger- und deren Folgezeit, also der Zeit von 800 bis 1100. Nach der
Völkerwanderung begann wieder etwas Ruhe einzukehren in Europa. Jahrhundertelang waren
zahlreiche Stämme kreuz und quer durch den Kontinent gezogen, um sich an einem neuen
Plätzchen anzusiedeln, und da Europa damals durchaus nicht leer war, ging das nicht ohne
Kämpfe ab. So waren die Könige und Kaiser der Karolingerzeit auch vor allem Heerführer,
der Adel ihre Generäle - und die unbewaffneten Bauern nichts wert.
Zeitgenössische Malereien
zeigen, daß in der Kleidung noch die römische, vor allem aber die byzantinische
Antike nachwirkte, auch wenn die hohe Kultur und Technologie Roms längst
entschwunden war. So trug man beispielsweise Tunikas, über die Schulter drapierte,
togaähnliche Gewänder und geschnürte Sandalen.
Die durch einfache Formen gekennzeichnete Mode hielt sich auch im wesentlichen im
Hochmittelalter, der Phase, die durch Kreuzzüge und Rittertum als
eigentliches" Mittelalter assoziiert wird. Sie umfaßt das 12. und 13.
Jahrhundert. Tiefe Religiosität, Minnedienst und Waffenlehre galten als die
wichtigsten männlichen Tugenden. Von daher wurden Söhne entweder als Erben ernannt, ins
Kloster oder in den Knappendienst geschickt. Deshalb waren auch Kreuz und Schwert die
wichtigsten Insignien eines Mannes. Beides wurde sowohl über Kampf- als auch über
Zivilgewandung getragen.
Zivilgewandung bestand aus
einem einfach, weit und lang geschnittenen Gewand, war mit einfachen Borten verziert und
mit einem Lederriemen (bei adliger Festtagsgewandung mit einem goldenen Gürtel)
geschnürt. Als Unterkleid trug man ein einfaches Leinenhemd, Bruchen (mittelalterliche
Unterhosen) und wärmende Beinlinge.
Kampfgewandung dagegen war im
Laufe der Jahrhunderte einem ständigen Wandel unterworfen. Deswegen sei hier nur ein
Beispiel aus dem Hochmittelalter erwähnt: Über den beschriebenen Unterkleidern wurde
eine versteppte Jacke (gambaison), ein gepanzertes Wams (Platen), ein Kettenhemd und
Kettenbeinlinge und schließlich der Wappenrock angezogen. Letzterer war besonders
wichtig, da auf ihn das jeweilige Wappen gestickt war.
Erstaunlicherweise
unterschied sich die weibliche Kleidung nur geringfügig von der männlichen. Auch hier
herrschten einfache geometrische Schnitte und Formen vor. Frauen trugen lange und weite
Ärmel, teilweise mit Unterkleidern mit enganliegenden Ärmeln darunter, Röcke waren
großzügig geschnitten und sehr lang, und auf Taillenhöhe wurden die Gewänder ebenfalls
gegürtet.
Interessant waren auch die
zeitgenössischen Kopfbedeckungen. Männer trugen eine sogenannte Gugel", eine
Kapuze mit Kragen und langer Spitze. Frauen, sobald sie verheiratet waren, mußten ihren
Kopf mit einem Schleier bedecken. Die bekannten und auffälligen Hüte kamen erst ein
Jahrhundert später auf. Was die Farbgebung angeht, so war man im Mittelalter auf die
wenigen sich bietenden Färbemöglichkeiten angewiesen, und diese waren auf rot, blau und
grün beschränkt. Natürlich war auch gelb möglich, diese Farbe war allerdings verpönt,
da sie den leichten Frauen" zugeschrieben wurde. Da gleichermaßen die
Webtechniken noch nicht ausgereift waren, wurden einfache Stoffe aus Leinen, Wolle, Flachs
oder Hanf verwandt.
Mit dem sich auflösenden Rittertum veränderte sich auch die Mode. Das anbrechende
14.
Jahrhundert läutete das Zeitalter der Spätgotik und von der Mode her gesehen
das Zeitalter des französisch-burgundischen Kleidungsstils ein. Charakteristisch hierfür
waren die mehr ins extreme wachsenden Formen: die Röcke der Männer wurden kürzer und
reichten bald kaum mehr über die Lenden. Ärmel und Hosenbeine wurden enger, verschiedene
Körperstellen, wie Schultern, betont. Frauen trugen Gewänder mit hoch angesetzten
Taillen und tieferen Ausschnitten. Auch andere Formen wurden überspitzt. So entstanden in
dieser Zeit die berühmten Schnabelschuhe, wobei die Schnabellänge je nach
gesellschaftlichem Stand variierte. Je länger der Schnabel, desto höher das Ansehen.
Dasselbe galt für die Länge der Gugelspitzen. Das wohl berühmteste Merkmal der
Spätgotik waren die auffallenden Kopfbedeckungen der Frauen. Die allseits bekannten
Spitzhüte, die fälschlicherweise als Burgfräuleinhüte" einen
Bekanntheitsgrad erlangt haben, und die Doppelhörnerhauben, verziert mit lang
herabfallenden Schleiern, sind nur zwei Beispiele dessen. Einen solch ausgeprägten
Kopfputz hat es in späterer Zeit in vergleichbarer Weise nie wieder gegeben.
Die Epoche nähert sich dem Ende mit dem Späten
Mittelalter (14. - 15. Jhd.). Die äußerst prächtige Burgundische Mode mit
ihren Houppelanden (lang schleppende, sehr weite Gewänder mit lang herabhängenden
Überärmeln, die von Männern und Frauen gleichermassen getragen werden) getragen über
dem schmalen "Niderkleit" setzt ein. Die Säume sind oft "gezattelt",
das heißt, gelappt.
Die Kleidung prunkt in herrlichsten Farben, in leuchtender Seide, in schimmerndem Samt,
ist oft pelz- und edelsteinbesetzt. Das "Mi parti" (linke und rechte
Gewandhälfte haben eine andere Farbe, Beinlinge wiederum andere Farben als die
Oberbekleidung) kommt gross in Mode - eine Mode, die sich bis weit hinein in die
Renaissance halten wird - man kann mit ihre so schön zeigen, daß man reich genug ist,
teure, komlizierte Näharbeit zu bezahlen. Bekannt ist diese Farbverteilung heute noch als
Narrengewand, ebenso wie eine weitere tyische modische Besonderheit, nämlich das Besetzen
der Kleidung mit hunderten von kleinen Schellen. Dies ist übrigens eine hauptsächlich in
Deutschland verbreitete Gewohnheit.

Die
enaissance
(16. Jhdt) Zeittafel:
LINK I
Link II
Der Begriff "Renaissance" steht, aufgrund seiner wörtlichen Bedeutung
"Wiedergeburt", für eine komplette Umkehrung des Bisherigen. Die Zeit der
Renaissance war geprägt von dem Geist des Neuanfangs. Antike Ideale, Bildung,
Wissenschaft und die schönen Künste sollten das "finstere Mittelalter"
verbannen.
In den durch Fernhandel reich und mächtig
gewordenen Stadtstaaten Italiens, zwischen den steinernen Zeugnissen der griechischen und
römischen Antike, setzte dieser Neuanfang zuerst ein. Während im Norden Europas noch die
Spätgotik herrschte, schuf Michelangelo schon Werke, die mit dem Mittelalter nichts mehr
zu tun haben. Die Italienische Frührenaissance beginnt bereits Ende des 14. Jh.
Italien hatte zu dieser Zeit das absolute
Stoffmonopol inne, hatte durch die Handelsbeziehungen zum Orient Zugang zu Seide und
Stoffen bisher ungekannter Feinheit der Verarbeitung. Man trug Gold- und Silberbrokat,
Samt und Seide, Stickereien, Pelze und vor allem Stoffe mir eingewebten Mustern (wobei
sich das Granatapfel- und diverse Blumenvasenmuster der größten Beliebtheit erfreuten).
Auch wurde das Farbdiktat des Mittelalters nahezu aufgehoben. Jeder kleidete sich in den
Farben seiner Wahl. Somit wurde persönlicher Geschmack und Vielfalt wichtiger als
Einheitlichkeit. Was dabei natürlich nicht vergessen werden darf, ist, daß dies nur für
Adlige und reiche Kaufleute galt.
Auch in Schnitt und Tragweise
wies die Mode der Renaissance neue Erscheinungsformen auf. In Anlehnung an die
burgundische Mode trug der Mann zwar noch Strümpfe (wobei diese sich aber immer mehr zu
Strumpfhosen, sog. "Trikothosen" entwickelten), darüber ein geschnürtes Wams
und einen weiten Umhang, die sogenannte "Zimarra", allerdings gewann nun die
Hutmode auch bei Männern immer mehr an Bedeutung.
Auch für Frauen brach in der
Mode eine neue Ära an. Kleidung wurde sehr viel freizügiger, man durfte nicht nur seine
Arme und Ohren wieder zeigen, vielmehr war es sogar erlaubt, ein tiefer ausgeschnittenes
Dekolleté zu tragen. Auch die Hauben fielen weg, Haare wurden kunstvoll frisiert, oder
eine hohe Stirn gezupft. Auch war es modern, sich die Haare zu bleichen. Schminken, eine
absolute Neuheit, wurde in der Renaissance zur Selbstverständlichkeit. Auch bei Frauen
wurden die Stoffe schwerer, die Schleppen und Ärmel kürzer.
In Nordeuropa beginnt die
Renaissance mit der Zeit Dürers, gegen 1500. Besonders typisch für diese Zeit ist die
"Landsknechtmode". Sie wurde in und um Deutschland von Söldnern erfunden, die
einserseits als rechte Gecken mit der Mode gehen wollten, denen aber andererseits die
modische Kleidung für den Alltag zu eng war. Also schlitzten sie ihre Kleider an den
Gelenken auf. Dieser "zerhauene" Stil wurde von allen Bevölkerungsschichten und
in fast ganz Europa mit Begeisterung aufgenommen und wirkte jahrzehntelang nach.
Besonderen Wert wird auf schöne Ärmel
gelegt. Meistens sitzen sie nicht fest an Mieder oder Wams, sondern werden angenestelt. Es
ist durchaus üblich, links und rechts zwei verschiedene Ärmel zu tragen, und den
Lieblingsärmel an alle möglichen verschiedenen Gewänder anzunesteln. Sie sind oft so
kostbar, dass sie (während des Tragens!) gestohlen werden, und sie werden in Testamenten
gesondert aufgeführt.
Während die Frauenbekleidung im Grossen und ganzen bis auf Variationen in der Höhe der
Taille und verschieden Ärmelarten keine nennenswerten Formveränderungen durchmacht,
entsteht in der Männermode aus einer immer weiter verkürzten Hose die mit Roßhaar
ausgestopfte kugelrunde "Heerpauke" - der spanische Hof ist hier Ausgangspunkt.
Daneben trägt der modische Herr die "Braguette", eine bis ins Lächerliche
vergrösserte und zum Teil recht naturalistisch geformte Schamkapsel (die Weiterführung
des im Mittelalter entstandenen Hosenlatzes), die durchaus als Aufbewahrungsort für
galante Geschenke (z.B. Apfelsinen) an die Angebetete diente.