Berchtesgaden/SulzbachRosenberg.
Berchtesgaden und Sulzbach-Rosen berg sind nicht gerade Nachbarorte.
Im Mittelalter trennte sie sogar eine gefahrvolle, mehrtägige Reise
durch unwegsames Land. Dennoch waren beide gerade in ihrer Frühzeit
durch ein Stück gemeinsamer Geschichte verbunden, die jetzt, beim
900-jährigen Gründungsjubiläum des Marktortes, wieder lebendig
wird.
Wie aber kam es zu dieser erstaunlichen Verbindung? Der Ursprung
liegt bei Graf Gebhard, dem Stammvater des Sulzbacher Grafengeschlechts.
Seine Gemahlin Irmgard war in erster Ehe mit Graf Engelbert aus dem
Geschlecht der Sighardinger verheiratet, die als Vögte der Erzbischöfe
von Salzburg zu Macht und Reichtum gekommen waren. Nach dem Ableben
Engelberts heiratete sie Graf Gebhard von Sulzbach und brachte ihr Erbe,
das waldreiche Gebiet des Berchtesgadener Talkessels, mit in die Ehe
ein.
Graf Gebhard gelobte, in dem wenig besiedelten Landstrich ein Kloster
zu errichten, starb jedoch darüber. Nur zu gern wollte seine Witwe das
Gelübde erfüllen, aber auch ihr Ende war nicht mehr fern. So versprach
ihr Sohn Graf Berengar, das Vorhaben mit Unterstützung seines
Halbbruders Kuno von Horburg in die Tat umzusetzen. Am 7. April 1102
übergab Papst Paschalis II in Rom die Bestätigungsurkunde für das
Chorherrenstift .
Berengar musste nochmal tätig werden. Um 1108 packte die Männer der
ersten Stunde Verzweiflung ob der ,,wüsten Einöde, die kurz zuvor noch
ein Wald voll von wilden Tieren und ein Schlafgemach von Drachen
war", zitiert Albert Hirschbichler in seinem Buch "Berchtesgadener
Land'.
Gesponsort vom Hochadel
Erst zwischen 1116 und 1119 kehrten die Augustiner-Chorherren nach
Berchtesgaden zurück, nachdem großzügige Schenkungen von Graf
Berengar eine gedeihliche Entwicklung in Aussicht stellten. Weitere
Schenkungen von Angehörigen des Hochadels folgten, die dadurch glaubten,
etwas für das eigene Seelenheil und das ihrer Vorfahren zu tun. Bald
gehörten zu dem Kloster Besitzungen in ganz Bayern, Schwaben und
Tirol.
Schienen in den ersten Jahren das junge Kloster und das benachbarte
Erzstift Salzburg ein Herz und eine Seele, so suchte Mitte des 12.
Jahrhunderts Propst Heinrich stattdessen eine Annäherung an die
Staufer. Damit wollte er die Unabhängigkeit des von ihm geleiteten
Stiftes sichern und sich gegen den Salzburger Erzbischof wehren, der auf
einen höheren Anteil aus den Einkünften der Berchtesgadener
Salzgewinnung aus war.
Die Rechnung ging auf. 1156 stellte Kaiser Friedrich I "Barbarossa"
das Stift mit der "Goldenen Bulle" - einer so nach ihrem
vergoldeten Siegel genannten Urkunde, unter Reichsschutz. Durch eine
Fälschung der kaiserlichen Urkunde ließen die Chorherren sich später
auch noch das Recht auf Bergbau übertragen und schafften dank ihres
Salzreichtums den Aufstieg zur Reichsunmittelbarkeit.
Parallelen zu Sulzbach
Im 15. Jahrhundert war Berchtesgaden das kleinste Fürstentum im heiligen
Römischen Reich, weltlich nur dem Kaiser und kirchlich nur dem Papst
unterstellt. Der blühende Bergbau und die Gunst der Kaiser sind demnach
weitere Parallelen in der Geschichte Sulzbachs und Berchtesgadens. Als
Berchtesgaden 1810 zu Bayern kam, drohte der Ort ins Abseits zu geraten.
Aber dann geschah ein kleines Wunden. Wo früher mächtige Fürstpröpste
regiert hatten, davon mehrere aus dem Hause Wittelsbach, fanden sich
nun Mitglieder des gleichen Stammes als bayerische Könige ein.
Die Sommeraufenthalte der königlichen Familien mit großem Gefolge
und die Hofjagden mit manchmal mehr als 100 Treibern
brachten neues Leben und auch Geld in den einsamen Winkel.
Eher gegesätzliche Erfahrungen machte Berchtesgaden mit anderen
Herrschern: Die Nationalsozialisten zerstörten systematisch den
Obersalzberg, bis dahin ein Zentrum des Fremdenverkehrs, zwangen
Pensionen, Gästehäuser und auch Bauern zum Verkauf oder enteigneten
sie, organisierten statt freien Schweifens durch die natur "braune
Wallfahrten" zum Sitz Adolf Hitlers.
Und Berchtesgaden heute? Darüber braucht man nicht viel zu sagen.
Der Markenbegriff für erholsamen Urlaub in traumhafter
Landschaft. Nur der Blick weit zurück in die Geschichte
erinnert daran, was am Anfang stand - ein mächtiger Graf aus dem
fernen Nordgau, der nicht ahnen konnte, welch reiche Früchte seine
fromme Tat einmal tragen sollte.
So hat sich
der Fasadenmaler des berühmten Berchtesgadener "Hirschhauses" die
Sulzbacher Gräfin Irmengard vorgestellt. Sie brachte aus Ihrer ersten Ehe
mit Graf Engelbert von Sighardingen als Erbe das Waldreiche Gebiet um
Berchtesgaden mit.
