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1000 Jahre Heiratspolitik Berchtesgaden Hensch
Bekanntmachung: 23.07. Laetissime Saltemus Kastenbauerhaus -- 19.-21.08.16.Cave Gladium Furth i.Wald -  17.-18.9.16 Stollenfest Bergbaustollen Max

 

Berichterstattung über die sensationellen Forschungsergebnisse zu Burg und Grafschaft Sulzbach - Dr. Markus Lommer, Sulzbach-Rosenberg, freier Mitarbeiter SRZ 

Vor 1000 Jahren änderten sich die Machtverhältnisse in Sulzbach grundlegend - Vortragsreihe 

Der Sommer des Jahres 1003 markierte einen Wendepunkt in der Herrschaftsgeschichte der heutigen mittleren Oberpfalz. Am Ende hatte die Burg Sulzbach einen neuen Herren, der eine erfolgreiche Grafendynastie begründete - genau vor 1000 Jahren.

Wie der Merseburger Bischof Thietmar (? 1018) als Zeitgenosse der Ereignisse in seiner Chronik überliefert, erhob sich im Sommer 1003 der mächtige Nordgaugraf Heinrich/Hezilo "von Schweinfurt" gegen den jungen König Heinrich II. Der König schlug den Aufstand nieder und änderte die Machtverhältnisse auf dem Nordgau. 

Die intensiven historischen und archäologischen Forschungen der letzten Jahre haben Sulzbach als neu entdecktes Herrschaftszentrum der karolingisch-ottonischen Zeit in den Mittelpunkt der als "Schweinfurter Fehde" in die Geschichtsforschung eingegangen Auseinandersetzung gerückt.

 Demnach ist es sehr wahrscheinlich, dass Sulzbach als "Hauptburg" der Nordgaugrafen des 9. und 10. Jahrhunderts im Brennpunkt der kriegerischen Ereignisse von 1003 stand. Somit lässt sich nunmehr mit sehr großer historischer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Ende des Jahres 1003 die Familie der späteren Sulzbacher Grafen nach der Niederlage des Nordgaugrafen Hezilo die Burg auf dem Sulzbacher Schlossberg, die als Verwaltungsmittelpunkt und Bestattungsplatz der Nordgaugrafen diente, vom siegreichen König Heinrich übertragen bekam. 

Somit jährt sich diese Übernahme heuer zum 1000. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltet die Stadt Sulzbach-Rosenberg am 8. November eine Vortragsreihe, in der junge Historiker und Archäologen ihre neuesten Forschungen zu diesem Thema vorstellen. 

Hubertus Seibert referiert als erster zum Thema "Herrschaft und Legitimation. Adel in Bayern (10.-12. Jahrhundert)". Auf ihn folgt Mathias Hensch, der über seine Funde bei den Ausgrabungen im Sulzbacher Schloss unter dem Thema "Herrschaftskontinuität und Neuanfang - Die Burg Sulzbach aus Sicht der Archäologie" spricht. Jürgen Dendorfer beendet die "Trilogie" mit seinem Beitrag: "Aufstieg und Fall. Die Grafen von Sulzbach im 12. Jahrhundert". 

Anlässlich der Vortragsreihe wird auch Band 19 der Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg vorgestellt. Er hat den Titel: "Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter." In diesem Band sind die überarbeiteten Referate abgedruckt, die anlässlich der Tagung zum gleichen Thema am 13./14. Juni 2002 in Sulzbach-Rosenberg gehalten wurden. Darin nehmen Archäologen, Historiker und Geographen eine erste Bewertung der neuen Erkenntnisse vor. 

Die Veranstaltung findet direkt am Ort des Geschehens, in der ehemaligen Schlosskapelle des Straßenbauamts Sulzbach-Rosenberg, Zum Schloss 1, Sulzbach-Rosenberg, statt. Beginn ist um 16 Uhr, der Eintrittspreis beträgt drei Euro. Zwischen den Vorträgen wird es kleine Pausen geben, Ende der Veranstaltung ist gegen 19.30 Uhr.

Die Referenten

Die Vorträge zum 1000-jährigen Jubiläum der Übertragung der Burg Sulzbach an die Familie der späteren Grafen halten drei ausgewiesene Experten des Mittelalters.

Dr. Hubertus Seibert, Historiker, von der Ludwig-Maximilians-Universtät  München, Institut für Mittelalterliche Geschichte promovierte über "Untersuchungen zu Abtserhebungen in den Herzogtümern Lothringen und Schwaben in der Salierzeit (1024-1125)" und bereitet derzeit seine Habitilationsschrift über "Herzog und Land. Die territoriale Ordnung Bayerns unter den Wittelsbachern (1180-1295)" vor.

Dr. Mathias Hensch, Archäologe, Bamberg, hat 1993 zum ersten Mal im Sulzbacher Schloss gegraben und aus seiner langjährigen Grabungstätigkeit in Sulzbach-Rosenberg (bis 2001) letztes Jahr seine Dissertation mit dem Thema: "Burg Sulzbach in der Oberpfalz. Archäologischhistorische Forschungen zur Entwicklung einer Hochadelsburg des 8. bis 14. Jahrhunderts in Nordbayern" fertiggestellt. Sie wird nächstes Jahr veröffentlicht. 

Dr. Jürgen Dendorfer, Historiker, ebenfalls von der Universität München, Institut für Mittelalterliche Geschichte, promovierte 2002 mit dem Thema: "Die Grafen von Sulzbach und ihr personelles Beziehungsgefüge" Die Arbeit wird Ende dieses Jahres im Druck erscheinen.

Herrschaftszentrum des Nordgaus

Neues Licht in Nordbayerns Frühgeschichte gebracht: Revolutionäres Fazit nach elf Jahren Sulzbach-Forschung 

Drei Doktorarbeiten über Burg und Hochadelsfamilie "auf dem Nordgau"

Sulzbach-Rosenberg / Regensburg (lm). Es ist schlichtweg "umwerfend", was ein Dutzend Wissenschaftler nach elf Jahren intensiver Forschungsarbeit aus dem Sulzbacher Burgberg gezogen haben: Denn das Fazit, das die Stadt Sulzbach-Rosenberg, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Außenstelle Regensburg) und das Team der Forscher nun gezogen haben, wirft in der Tat einen Teil der nordbayerischen Frühgeschichte um. 

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "1000 Jahre Sulzbacher Grafen" in der Schlosskapelle St. Nikolaus fassten drei teils frisch gebackene Doktoren aus Bamberg und München (Hubertus Seibert, Jürgen Dendorfer und Mathias Hensch)  die Endergebnisse zusammen. Der örtliche Stadtarchivar Johannes Hartmann präsentierte dazu seine neueste Publikation mit ausführlicher Schilderung des aktuellen Forschungsstands.

Kurz gesagt: Burg und Siedlung Sulzbach sind mindestens 300 Jahre älter als bisher bekannt. Im 9. und 10. Jahrhundert war dieser Ort das Herrschaftszentrum des "Nordgaus", sprich des Großteils der heutigen Oberpfalz. Archäologe Dr. Mathias Hensch (Bamberg) wörtlich: "Hier saßen die, die im Nordgau die Hosen an hatten."

Einflussreichster Herr
Im wiederentdeckten Hochadelsfriedhof hatte sich unmittelbar an der karolingischen Burgkirche offenbar der 865 verstorbene Nordgaugraf Ernst bestatten lassen, seiner Zeit als "erster unter den Freunden des Königs" bezeichnet, einer der einflussreichsten Herren im Bayern des 9. Jahrhunderts überhaupt. Die St. Nikolaus-Kapelle selbst zählt zu den zehn ältesten noch mit stehendem Mauerwerk erhaltenen Sakralbauten Süddeutschlands, für die Oberpfalz ist es der einzige Baukörper dieser Art. 

Was die Archäologen in Sulzbach zu Tage förderten, rückt die Frühgeschichte ganz Ostbayerns in ein völlig neues Licht. Eine Funde sind bislang einmalig im süddeutschen Raum. "Zusammen mit der Fülle an archäologischen Befunden lassen sie ein Bild jener Burg erstehen, die im Früh- und Hochmittelalter ein Zentrum europäischen Ranges war", so Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Regensburger Denkmalsamt. 

Viele Sulzbacher Entdeckungen stehen in der deutschen Burgenforschung bisher einzigartig da, so etwa die lückenlose Erfassung einer ausgeklügelten "High-tech-Heizungsanlage" des 9. bis 13. Jahrhunderts. Bemaltes Profanglas, wie es hier ausgegraben wurde, gibt es in der Zeit vor 1000 nur zwei, drei Mal in Mitteleuropa. 

1003 wurde die pfalzartige, prachtvoll ausgestattete Burganlage bei Unruhen zum Teil zerstört. König Heinrich II. höchstselbst setzte wohl noch im selben Jahr neue Herren auf die betreffende Burg. Damit entstand die Grafschaft der bald überaus mächtigen Sulzbacher. Diese Grafenfamilie, so fand Dr. Jürgen Dendorfer (München) nach dreijährigem Studium der schriftlichen Quellen heraus, waren die bedeutendsten Dynasten im Deutschen Reich des 12. Jahrhunderts - ein Geschlecht von internationalem Ruf. Dies zeigen nicht zuletzt die Eheschließungen Sulzbacher Grafentöchter mit vier der bedeutendsten Herrscher jener Zeit, u.a. des bayerischen Herzogs, des deutschen Königs (Westrom) und des byzantinischen Kaisers (Ostrom). 

Luxuriöse Kemenate
Die Burg des 12. Jahrhunderts stufte Archäologe Hensch als "weit über normale Grafen-Maßstäbe hinausgehend" ein - mit zwei Kirchen und Hochadelsfriedhof, riesigem Palas und repräsentativem achteckigen Wohnturm, luxuriöser Kemenate, fester Umwehrung mit starken Mauern und tiefen Gräben, hochqualifizierte Buntmetallwerkstätten im Hof der Kernburg und so weiter. 

Der Einflussbereich der Sulzbacher Grafen erstreckte sich bis vor die Tore Wiens. Als Vögte (Grundbesitz-Verwalter) der Bischöfe von Bamberg und Regensburg hatten sie zudem wichtige Schlüsselpositionen auf der Landkarte Bayerns inne. Demnach war auch Amberg "eine Herrschaftsposition der Sulzbacher", so Dr. Dendorfer, ebenso Tirschenreuth, Vilseck usw. Doch so kometenhaft, wie der Glanz des Hauses Sulzbach binnen kurzer Zeit aufstrahlte, so schnell verglühte er auch: Bereits anno 1188 starb Graf Gebhard II. ohne männliche Nachkommen, nachdem sein Sohn Berengar II. bereits 1167 vor den Toren Roms umgekommen war. Eine Episode nordbayerischer Geschichte war zu Ende gegangen. 

Allerdings: "Die Forschung ist noch nicht zu Ende", so Dr. Hensch in seinem Fazit. Und in der Tat: Seit einigen Wochen schon gräbt er auf dem Frohnberg bei Hahnbach, wo er bereits einen groß dimensionierten romanischen Kirchenbau angeschnitten hat... 
Man darf also einmal mehr gespannt darauf sein, was der Oberpfälzer Boden noch so alles an faszinierenden, ja vielleicht wiederum "umstürzenden" Überraschungen ausspuckt!

Bildunterschrift: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde anno 865 im Hochadelsfriedhof an der karolingischen Burgkirche der mächtige Nordgaugraf Ernst bestattet - einer der führenden Männer des frühmittelalterlichen Bayern. Nach 1003 erbaute man darüber eine zweite Kapelle auf dem Burghof.

Kurz-Statement von Dr. Mathias Hensch am Handy "in Aktion",  mitten im Ausgrabungsfeld auf dem Frohnberg bei Hahnbach bei der Arbeit (Dr. Markus Lommer, SUL / AM = lm) 

"Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Geschichtswissenschaftler im 'Fall Sulzbach' kann ich nur als hervorragend und auch menschlich sehr angenehm bewerten. Sie war wissenschaftlich ungemein bereichernd. Es war ein absoluter Glücksfall, dass das zeitlich alles so zusammenfiel: die Schriftquellen-Forschung von Jürgen Dendorfer über die Grafenfamilie, die Knochenanalysen von Kerstin Pasda, die überregionalen Untersuchungen anderer Wissenschaftler und meine Grabungen vor Ort auf dem Sulzbacher Schlossberg. 

Wir sind ständig in Kontakt gewesen und haben die jeweils neuesten Ergebnisse ausgetauscht, miteinander diskutiert, voneinander gelernt. In den wesentlichen Dingen sind wir uns völlig einig: Sulzbach war während des Früh- und Hochmittelalters eines der wichtigsten Herrschaftszentren Nordbayerns. 

Unsere Zusammenarbeit geht jetzt, nach Vorstellung der vorläufigen Endergebnisse, aber noch weiter - wir bleiben in Kontakt! Im März 2004 stelle ich im Rahmen einer Tagung an der Universität München zur frühstauferzeitlichen Herrschaftsrepräsentation anhand ausgewählter Beispiele des Burgenbaus die Anlage in Sulzbach sowie einzelne Ministerialenburgen der Sulzbacher Grafen vor, z.B. Thurndorf und Creußen im Fränkischen. 

Ab 2004 Oktober gibt es, ebenfalls in München, eine Computer-Rekonstruktion der Sulzbacher Burg um 1140 zu sehen, das ist die Zeit Berthas von Sulzbach, der Tochter Graf Berengars, die den Kaiser Manuel I. Komnenos von Konstantinopel heiratete. 

Die Bayerische Archäologische Staatssammlung (in der Nähe des Nationalmuseums) wird eine Ausstellung zeigen über 'Byzanz - Europas östliches Erbe'. Das Thema einer Abteilung ist dort: 'Burg Sulzbach - die bayerische Heimat einer byzantinischen Kaiserin'. Da kommt Sulzbach ganz groß raus."

BUCHTIPP: Die neuesten Forschungsergebnisse auf einen Blick: "Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter"

 Sulzbach-Rosenberg (lm). Druckfrisch liegt er seit Samstag da: Band 19 der Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg. Das Buch enthält die mehr oder minder stark überarbeiteten Fassungen von Referaten, die zwölf Wissenschaftler unterschiedlicher historischer Disziplinen Anfang Juni 2002 im Rahmen eines vielbeachteten Symposions in der Sulzbacher Schlosskapelle vorgetragen haben. 

Zwölf Archäologen, Historiker und Geographen nehmen hier eine erste Bewertung der neuen Erkenntnisse vor und ordnen sie in den Kontext der geschichtlichen Entwicklung der Region Oberpfalz bzw. Nordbayern ein. 

Der reich illustrierte Band (über 60 Abbildungen; 21 x 21 cm, 168 Seiten incl. Register) ist übersichtlich und formschön gestaltet, sein Inhalt ebenso fachlich bestens fundiert wie allgemein verständlich dargestellt. Die hier erstmals zusammen hängend skizzierten Forschungsergebnisse dürften in der bayerischen Geschichtsforschung durchaus für Aufsehen sorgen, lassen sie doch einen wichtigen Teil der Frühgeschichte der Oberpfalz in einem völlig neuen Licht erscheinen. 

Das Buch kostet 15.- Euro. Erhältlich ist es im Buchhandel sowie im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg (09661 / 510-131; FAX 811 000; email-Bestelladressen: Stadtmuseum@Sulzbach-Rosenberg.de  oder Stadtarchiv@Sulzbach-Rosenberg.de). 

Informationen zur gesamten Schriftenreihe sind abrufbar über die Stadt-Homepage www.sulzbach-rosenberg.de   (Einrichtungen / Kultur - Bildung - Religion / Stadtmuseum / Erschienene Publikationen) bzw. direkt über www.sulzbach-rosenberg.de/museum/muspupl.html 

Auf einen Nenner gebracht:

Das Fazit der zwölf Forscher im neuen Buch

„Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter“

(Amberg / Druckhaus Oberpfalz, 2003)

Zwölf Wissenschaftler aus Sulzbach-Rosenberg, Regensburg, Bamberg, München, Jena und Ilmmünster haben elf Jahre lang rund um den Themenkomplex „Sulzbach und Umgebung im Früh- und Hochmittelalter“ geforscht. Ihre Ergebnisse haben sie im Juni 2002 bei einem interdisziplinären Symposion in der Sulzbacher Schlosskapelle vorgestellt und diskutiert. Im Anschluss daran haben die einzelnen Forscher ihre Thesen noch einmal überdacht, ihre Ausführungen zum Teil vor dem Hintergrund der übrigen wissenschaftlichen Fachgebiete bearbeitet und soeben als Band 19 der mittlerweile Deutschland weit renommierten Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg einer breiten Öffentlichkeit erschlossen. Nachfolgend einzelne wichtige Aussagen der Autoren der Neuerscheinung.

Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Archäologin

(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Abtl. Bodendenkmalpflege, Dienststelle Regensburg)

„Man möchte es fast als symbolisch bezeichnen, dass der ‘neue’ Blick auf die ‘alte’ Geschichte des Nordgaues in jenen Mauern stattfand, von denen seit Kurzem bekannt ist, dass sie aus karolinigscher Zeit stammen - in der einstigen Burgkapelle, dem vielleicht ältesten noch aufgehend erhaltenen Sakralbau im ‘Land zwischen Naab und Vils’.“ (S. 10)

Dr. Cornelia Oelwein, Historikerin (Ortsnamensforscherin)

(Ilmmünster)

„In die Zeit vor ca. 800 reichen im Altlandkreis Sulzbach-Rosenberg und im nördlichen Bereich des Altlandkreises Amberg kaum Siedlungsspuren zurück (...). Die bis heute überlieferten Ortsnamen schließen eine Entstehung vor der Mitte des 8. Jahrhunderts aus, abgesehen vielleicht von Högen und Gallmünz. (...) Das waldreiche Gebiet war vermutlich nur sehr dünn besiedelt.“ (S. 119)

Prof. Dr. Alois Schmid, Historiker

Universität München, Institut für Bayerische Geschichte, Lehrstuhl für Bayerische und Vergleichende Landesgeschichte)

Der Nordgau (= größter Teil der heutigen Oberpfalz) „ist einer der größten und wichtigsten bayerischen Gau, die dringend einmal zum musterhaften Gegenstand einer exemplarischen Gaumonographie gemacht werden sollte. (S. 17)

„Seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts verdrängt der (...) Begriff Oberpfalz die ältere Bezeichnung Nordgau immer weiter, ohne sie freilich jemals gänzlihc zu ersetzen.“ (S. 18)

Dr. Hubertus Seibert, Historiker

(Universität München, Institut für Mittelalterliche Geschichte; arbeitet derzeit an einer Habilitation über die Wittelsbacher)

König „Heinrich II., der vormalige bayerische Herzog, wies dem Nordgau nach der Zerschlagung des Schweinfurter Machtkomplexes 1003 eine neue, zentrale Funktion in seiner Politik zu.“ Bei dem „tiefgreifenden Konflikt“ von 1003 verloren die Schweinfurter „ihre einst dominierende Stellung auf dem Nordgau zugunsten des Königs und neuer adliger ‘Aufsteiger’ wie die Grafen von Sulzbach“ (Anm.d.Red.: vor 1003 war Sulzbach die Hauptburg der Schweinfurter gewesen). (S. 33)

Dr. Mathias Hensch, Archäologe

(Universität Bamberg)

„Die architektonische und ideelle Nähe der frühen Sulzbacher Burg zu den bedeutenden Plätzen des spätkarolinigischen und ottonischen Königtums lässt sich eindrucksvoll belegen. Die erste Blütezeit Sulzbachs, die nun erstmals in das Licht der Geschichte rückt, bildete nur den Auftakt für die weitere Entwicklung unter den mächtigen Grafen von Sulzbach während des 11. und 12. Jahrhunderts bis hin zur Hauptstadt ‘Neuböhmens’ in der Zeit (Kaiser) Karls IV.“ (S. 84)

Dr. Kerstin Pasda, Archäozoologin

(Jena)

„Die archäologischen Untersuchungen der Burg Sulzbach erbrachten wichtige neue Erkenntnisse zur Geschichte des Nordgaus“. Daneben „geben auch die Bestattungen des Adelsfriedhofs neben der Burgkirche und die Ergebnisse der Tierknochenanalyse deutliche Hinweise auf die Bedeutung der frühen Phase der Burg Sulzbach“ (S. 87). „Zusammenfassend ist festzuhalten, dass verschiedene Aspekte (...) die überregionale Bedeutung dieses Herrschaftszentrums belegen.“ (S. 97)

Dr. Jürgen Dendorfer, Historiker

(Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Mittelalterliche Geschichte)

„Das Fehlen urkundlicher Erwähnungen Sulzbachs - sicher bis zum Jahr 1071 (...) - zwingt dazu“, einer Quelle des frühen 14. Jahrhunderts aus dem Nordgau-Kloster Kastl bei Amberg „gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken. (...) Zur Rekonstruktion der Frühzeit Sulzbachs“ jedoch „sollte die Kastler Reimchronik und ihre Geschichte von Herzog Ernst aus Seeland nur mit Vorsicht verwendet werden.“

Prof. Dr. Jürgen Dietrich Manske, Geograph

(Universität Regensburg, Institut für Geographie / Regionalgeographie)

Sulzbach lag längst vor 1000 am Knotenpunkt bedeutender Fernstraßen zwischen Franken, Bayern und Böhmen, sowie an einer „Passpforte“ über den Ostrand der fränkischen Alb. „Es zeigt sich (...), dass die Passpfortensituation Sulzbachs (...) voll in Funktion ist. Es sei auch auf die (...) bisher wenig beachteten Fernwegtrassen von Sulzbach aus nach Nordwesten in Richtung Edelsfeld hingewiesen, welche ursprünglich über Velden nach Bamberg, später über Königstein-Auerbach nach Bayreuth führten. Ihre Fortsetzung nach Südosten dürfte über Rosenberg nach Schmidmühlen und Regensburg gezielt haben.“ (S. 107/108)

Dr. Heinrich Wanderwitz, Historiker

(Stadtarchivar, Amt für Archiv und Denkmalpflege der Stadt Regensburg)

Einer alten Legende nach, die Johann Brauns „Nordgau-Chronik“ von 1648 überliefert, sei Gertraud von Pfullingen, die Mutter des heiligen Bischofs Wolfgang von Regensburg (+ 994), in Sulzbach begraben. „Sollte Wolfgangs Mutter tatsächlich in einem Ort Sulzbach begraben worden sein, so könnte man dieses Sulzbach im alemannischen (...) oder auch im ehemaligen reatischen raum Ortschaften zuordnen. (...) Nicht begründbar aber ist Sulzbach-Rosenberg (...).“ Damit ist diese Jahrhunderte alte These seit kurzem eindeutig widerlegt. (S. 65)

Dr. Hans Losert, Archäologe

(Universität Bamberg, Privatdozent am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit)

„Der archäologische Forschungsstand für die mittlere und nördliche Oberpfalz hat sich durch die langjährigen Grabungen auf der Sulzbacher Burg entscheidend verbessert (...). Zu Bajuwaren und Slawen des frühen Mittelalters (...) sind jedoch weiterhin viele Fragen offen.“ (S. 160)

Darüber hinaus berichten in dem neuen Band zur Oberpfälzer Geschichte die Archäologen Götz Alper (Bezirksarchäologe in Braunschweig) und Dr. Sveva Gai (Archäologin in Paderborn, Museum in der Kaiserpfalz) über zu Sulzbach vergleichbare regionale Entwicklungen im Harz (Bergbau und Metallverhüttung) sowie in Paderborn (karolingische Pfalzanlage). Sie stellen die Ergebnisse der Sulzbacher Lokalforschungen in überregionale Kontexte.

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Stand: 25. April 2016     

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