Das Sulzbacher
athaus und sein Lochgefängnis
Unter dem Sulzbacher Rathaus, das zu den schönsten gotischen Rathäusern
in der Oberpfalz zählt, befindet sich ein altes Lochgefängnis. Orientiert man sich an
den verschiedenen Chronisten (Braun, Gack) wurde es im 14./15. Jahrhundert erbaut. Das
Erbauungsjahr des Rathauses anno 1456 spricht dafür, da die Rathausfassade auf der
Zwischenwand der Kerkergewölbe ruht.
Durch die Braun`sche Chronik (Johannes Braun 1581-1651) aufmerksam geworden, wurde dieses
unterirdische Gefängnis im Jan 1993 durch die "HG Stiber Fähnlein" wieder
geöffnet, renoviert und von Mitgliedern des Deutschen Höhlen- und Karstvereins
(Werner Dechent) vermessen.

2 Gefängniszellen 2,60m x 1,50m, Türstöcke aus behauenen Sandstein,
Tonnengewölbe
Vorraum 4,50m x 4,00m, Aufgang zum Eingang im Rathaus mit 3 cm dicken Türangeln
Fragstatt (?) Reste von Eisenhalterungen

Innenansicht der Räume des Lochgefängnises
Geschichtliches:
Im Jahre 1590 setze Pfalzgraf Ott-Heinrich II. den Rat der Stadt Sulzbach
ab, da durch Mißwirtschaft die Schulden der Stadt mit dem Jahr 1588 auf 71.000 Gulden
angewachsen waren.
Ott-Heinrich stellte der Stadt 20.000 Gulden aus dem Heiratsgut seiner Ehefrau zur
Verfügung. Im Gegenzug wurden ihm das Gut Aigen, ein Wald bei Siebeneichen, die Wagensaß
und die Grafmühle verpfändet.
Trotzdem verkauften die Stadtväter das gesamte Pfand ohne Wissen des Pfalzgrafen. Das
veranlaßte diesen, das Darlehen sofort zu kündigen, was in der Folge zu einer starken
finanziellen Abhängigkeit der Stadt gegenüber Ott-Heinrich führte. Der Pfalzgraf konnte
nun Einsicht in die Bücher der Stadt nehmen. Er verlangte die Herausgabe der gesamten
Rechnungen, Kammer-, Meß-, Kirchen- und Almosenbücher, um sie von seinen Beamten prüfen
zu lassen. Dabei stellte sich der mehr als leichtfertige Umgang einiger Ratsmitglieder mit
den Stadtfinanzen heraus. Sie machten ohne Wissen der anderen Ratsmitglieder weiterhin
neue Schulden.
Die Bürgermeister
Albrecht Lenzendörfer und
Adam Schwarz sowie der Ratsherr
Leonhard Wallater wurden als Hauptschuldige Ende 1590 hier "auf dem Rathaus festgesetzt". Ihr Hab und Gut wurde
verkauft und der Erlös daraus zur Schuldentilgung verwendet.
Zuerst wurde Lenzendörfer "zu schwerer Kerkerhaft" (d.h.
fensterlos) verurteilt und in einer der Zellen inhaftiert. Später verlegte man ihn
"ufn Oberstüblein im Rathaus". Er verstarb dort
nach 47 Wochen Haft "unter jämmerlich Geschrei".
Man vermutet, Freunde haben ihm Gift gebracht, um ihn vor der "peinlichen
Frag" (Folter) zu bewahren. Braun schreibt in seiner Chronik über
Lenzendörfer: "Ein stolzer, übermütiger Mann, so den
ganzen Rat nach seinem Willen regiert und die Stadt in groß Unheil gebracht. Noch am
Grabe wurde er scharf vermahnt."
"Adam Schwarz ist ein großer Bau- und Bergherr, Kirchenverwalter und Baumeister
(Schloßumbau). Er war ein vornehmer, weltverständiger Mann, so große Gebäu geführt.
gest. 1595 an Kümmernis und Herzeleid"
Das Ratsmitglied Wallater, über den wenig überliefert wurde, starb Anno Domini
1600 in Armut im Spital.
