Des
ergmanns
eleucht
- Die Karbidlampe

Das Karbidlicht war lange Zeit die effektivste Lichtquelle der
Bergleute bevor alles elektrifiziert wurde. Heute wird Karbid kaum noch
verwendet, schon gar nicht mehr unter Tage. Lediglich in einigen Schauhöhlen
werden die Karbidlampen noch für Führungen verwendet. Aber auch das nimmt
immer mehr ab. Bei Höhlenforschern war das Karbidlicht oft im
Einsatz und sehr beliebt, ist jedoch in letzter Zeit wegen des
Höhlenschutz-Gedanken und den leider öfters vorkommenden Verunreinigungen
immer mehr in Verruf gekommen. Das weiche Licht der Karbidflamme verbreitet sich
gleichmäßig in Höhlenräumen, im Gegensatz zur elektrischen Beleuchtung, die
mehr ein Punktlicht produziert und keine Streuung aufweist.
Der Mensch, der seit Jahrtausenden die Schätze der Natur aus
der Erde holt, bediente sich auch damals schon künstlicher Lichtquellen. Dem
Bergbau der seit vorgeschichtlicher Zeit mit Erz und Mineralien der Menschheit
zu Wohlstand, Waffen und Einkommen verhalf, stieß in immer größere Tiefen
unserer Erdkruste vor. Ohne künstliche Lichtquellen war das nicht möglich.






Erste Lichtquellen, schon vor über 12.000 Jahren waren Reisig mit Harz getränkt, Kienfackeln, wie sie auch
lange in Burgen und im häuslichen Bereich Verwendung fanden. Die ersten
Grubenlampen entstanden erst durch die Verwendung von tierischen Fetten und
pflanzlichen Ölen. Das gängigste Fett war Talg, aber auch Rüben- oder
Distelöl wurde verwendet. Waren die ersten Lampen zunächst aus Stein und Ton,
ging man später dazu über, sie aus Blei, Bronze, Messing und Eisen
herzustellen.
Seit der Römerzeit war die Kerze als Beleuchtung bekannt, hergestellt aus Talg
oder Bienenwachs, durch Rollen von Hand oder Gießen um einen Docht aus
trockenen Tiersehnen, Woll- oder Flachsfäden. Aus dem leicht zerbrechlichen
Kerzenhalter aus Ton oder Holz, entwickelte sich der eiserne Kerzenhalter. In
Amerika als "candlestick" bekannt, wurden Kerzenhalter bis ins 20.
Jahrhundert im Bergbau verwandt.



Bit Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Stein und Ton als die gebräuchlichsten
Materialien für die Herstellung von Grubenlampen durch Blei und Eisenblech
ersetzt. Als erste offene Fett-Lampe gilt die aus Eisenblech getriebene
Löffellampe. Diese wurde bald von etwa handgroßen Blechschalen mit
bergmännischem Tragspitzhacken und Dochtschnauze abgelöst.
Durch die Verwendung von Rüb- oder Distelöl als Brennstoff gelangten die
völlig gedeckten oder geschlossenen Eisenblech-Lampen zum Einsatz. Häufig
wurde dieses Geleucht auch "Frosch" genannt. Sie war die populärste und am meisten verwendete Lampe unter den
Geleuchten.
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in der
Loire-Gegend eine Lampenform entwickelt, die sehr schnell im Mittelmeerraum
Verbreitung fand: die linsenförmige "Rave". Jenseits der Alpen wurde
diese Lampenform erst zur Zeit der Alpendurchtunnelung bekannt, als italienische
Mineure "sizilianische Lampen" oder "Tunnellampen" zum Bau
der großen Eisenbahntunnel mitbrachten.
Durch zusätzliche Anforderungen, wie z,B. Wetterzug und Tropfwasser, ist die
"Freiberger Blende" entstanden, ein kugelförmiges Öllämpchen,
"Kuckuck" genannt, befindet sich in einem mit Messingblech
ausgeschlagenen Holzgehäuse und wird durch eine Glasscheibe verschlossen.
Weitere Überlegungen haben die geschlossene Öl-Lampe aus Gußeisen entstehen
lassen. Eine Bauform wird als "Gießer" bezeichnet.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde schließlich
das Acetylengas erfunden (Friedrich Wöhler und Justus Liebig 1862 ) das einen
grundlegenden Wandel im Bergmannsgeleucht herbeiführte.
Dem Bergmann verhalf
das um ein vielfaches hellere Licht unter zu besseren Arbeits- und
Sichtbedingungen. Dennoch vergingen bis zur Einführung von der erstmaligen
Herstellung des Acetylengases bis zur Einführung der Karbidlampe nochmals 30
Jahre.

Der Verbreitung dieser offenen Lichtquelle in allen schlagwetterfreien
Bergwerken stand nichts mehr im Wege. Und das, wenige Jahre vor der
Jahrhundertwende. Obwohl die Karbidlampe in ihrer chemischen Reaktion sehr umweltfreundlich ist braucht man für die Herstellung des
Calciumkarbids einen
sehr hohen Energieaufwand. Diese in verschiedener Körnung vorhandene chemische
Verbindung liefert den Energieträger, die Rohstoffbasis für die Karbidlampe.
Im folgenden soll kurz die Herstellung von Calciumkarbid
vereinfacht dargestellt werden. Das insbesondere im Jura in Hülle und Fülle
vorhandene Ausgangsmaterial Kalkstein (Calciumkarbonat) wird in Schachtöfen
gemeinsam mit Koks bei ca. 1000 Grad Celsius gebrannt.
Es entsteht gebrannter Kalk, chemische Formel CaO
Reaktionsgleichung: CaO+3 C>CaC2+CO
Anschließend wird dieses Material abermals mit Koks bei
Temperaturen um 2000 Grad Celsius im elektrischen Lichtbogenofen einer erneuten
Verbrennung unterzogen.
Das auf diese Weise gewonnene Calciumkarbid (CaC2) weist einen
Reinheitsgrad von ca. 80 % auf, die restlichen 20 % entfallen auf
Verunreinigungen.
Reaktionsgleichung: CaO+3 C>CaC2±CO
Die erwähnten Fremdstoffe, wie gebrannter Kalk, Kohlenstoff,
Calciumphosphat u.a. sind auch die Ursache für den wenig angenehmen Geruch, der
oftmals beim Betrieb von Karbidlampen entsteht.
Das industriemäßig hergestellte Calciumkarbid wird in der
Grubenlampe mit Wasser in Verbindung gebracht. Bei der unter heftiger
Wärmeentwicklung verlaufenden chemischen Reaktion wird hochbrennbares
Acetylengas erzeugt,
(chem. Formel C2H2).
Reaktionsgleichung: CaC2-t-2H20>C2H2+Ca( 01-1)2,
Calciumkarbid+Wasser>Acetylen±Calciumhydroxid.
Acetylen erreicht bei der Verbrennung mit gewöhnlicher Luft,
so wie es bei der Grubenlampe der Fall ist, eine überaus stark leuchtende
Flamme mit einer Temperatur von annähernd 2000 Grad Celsius. Bei der
Verbrennung mit reinem Sauerstoff (z. B. im Schweißbetrieb) werden sogar
Temperaturen von über 3000 Grad Celsius erzielt. Die Karbidlampe stellt also
gewissermaßen ein Gaswerk im kleinen dar.
Außer Acetylen entsteht als Abfallprodukt sogenannter
Karbidschlamm, chemisch Calciumhydroxid. Diese Verbindung wandelt sich der Luft
durch Aufnahme von Kohlendyixid wieder in den ursprünglichen, nämlich
Calciumkarbonat oder Kalkstein, zurück.
Allerdings sollte dieser Karbidschlamm nicht gedankenlos in
freier Natur gelagert werden.
Mit der Einführung des wesentlich leistungsstärkeren
Karbidgeleuchts war die Ära der Öl- und Kerzenlampen im Bergbau ein für allemal zu Ende.


Das Anwendungsgebiet der neuen Lampengeneration beschränkte
sich dabei keineswegs nur auf Grubenlampen, Motorrad- und Autoscheinwerfer,
Fahrradlampen, Bahnlampen, Handlaternen, Tisch- und Wandlampen beschreiben die
Vielseitigkeit des neuen Geleuchts.
Die Arten und Formen der Grubenlampen wurden nach jeweiliger
Zweckbestimmung oder nach dem örtlichen Bergbaurevier gestaltet. Eine absolut
verbindliche Systematisierung ist auf Grund der unübersehbaren Typenvielfalt
nicht möglich.
Allen Lampenarten ist jedoch das gleiche Bauprinzip gemeinsam.
Auf den Karbidbehälter wird ein Wasserbehälter aufgesetzt und mittels eines
Gewindes oder einer Bügelkonstruktion fest angepresst. Der Wasserbehälter ist
mit einer Wasserfüllschraube sowie mit einer durch den Tank gehenden
Ventilführung mit Drehstift versehen. Das Drehen am Ventilstift reguliert den
Wasseraustritt am Behälterboden. Der chemischen Reaktion von Calciumkarbid und
Wasser steht nichts mehr im Wege, sie wird über die Ventilschraube gesteuert.
Das Gas wird am sogenannten Brenner, einer Metallhülse mit Specksteineinsatz,
entzündet. Komfortable Lampen hatten einen fest montierten Cereisenanzünder,
was einer Art Feuerzeug entspricht. Der Brenner ist in den Brennerstutzen
eingeschraubt, der sich je nach Bauart am Karbid- oder Wasserbehälter befindet.
Bei der Grubenlampe ist oben ein bergmännischer Haken angebracht. Zum Schutz
vor Schlageinwirkungen wurden auch Lampen mit innenliegenden Wassertank
konstruiert
Standardausführung: Handlampe mit seitlichem Brenner und
Reflektor.
Als Lampenverschlüsse bei den meisten deutschen und
europäischen Lampen kamen entweder Verschraubung von Wasser- und
Karbidbehälter oder Schraubbügel-, Bajonett- und Gelenkbügelverschlüsse in
Frage.
Die beiden bekanntesten Grubenlampenhersteller im
süddeutschen Raum waren die Firmen F. Hermann Hesse KG und die Metallwerke Otto
Scharlach, beide in Nürnberg ansässig. Leider haben diese Firmen ihre
Produktion längst eingestellt.
Erzeugnisse jener Hersteller finden sich vereinzelt im Besitz
von Sammlern und Heimat- und Fachmuseen (z.B. Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg).
Gemeinsame Merkmale der Nürnberger Lampen sind ihre solide
technische Verarbeitung und ihr dekoratives Bild. Zu den Lampengrundformen
gehören auch - wie oben erwähnt -, solche mit auf dem Wasserbehälter
befindlichen Brenner ohne Reflektor.
Besonders robuste Ausführungen sind aus Eisen- oder
Bronzeguss gefertigt. (Granatlampen siehe oben ).
Kopflampen, zum tragen am Helm, waren aus Gewichtsgründen
sehr klein dimensioniert.
Vorherrschendes Material bei den Grubenlampen ist Eisenblech,
leider stark rostanfällig. Bisweilen wurden auch zur Herstellung Messingblech
oder Messingguss- ein nicht korrosionsgefährdetes Material verwendet. Für die
Kompassarbeit unter Tage waren Messinglampen gut geeignet.
Steiger und Grubenbeamte benutzten diese attraktive
Lampenbauart oftmals als Statussymbol.
In den Vereinigten Staaten wurden bis vor wenigen Jahren
Karbidleuchten aus Kunststoff hergestellt. Die Typen- und Herstellervielfalt
kannte keine Grenzen.
Leider befindet sich die gute alte Karbidlampe seit vielen
Jahren sowohl Herstellungs- als auch verbleitungsmäßig auf dem Rückzug. In
Deutschland und Europa werden Karbidlampen kaum noch produziert. Das bequemere,
pflegeleichte elektrische Geleucht hat nicht nur im Bergbau nach weniger als
acht Jahrzehnten die acetylenbetriebene Grubenlampe nahezu restlos verdrängt.
Damit hat das Karbidgeleucht das gleiche Schicksal wie vordem
den Grubenfrosch ereilt.
Die technische Entwicklung kennt keinen Halt, dem
Erfindergeist sind keine Grenzen gesetzt. Und dennoch: Von vielen Sammlern und
,,Insidern" wird gerade die Grubenlampe als sichere, robuste und
kostengünstige Lichtquelle liebevoll gepflegt und geschätzt, trotz aufladbarer
und einfacher zu bedienenden NC - Akkus.
Eigentlich hat jene Beleuchtung diesen leisen, Abgang nicht
verdient. Allein Liebhaber befassen sich noch mit der Restaurierung oder dem
Neubau von Acetylenlampen. Eine verdienstvolle Erfindung ist in Vergessenheit
geraten. Die Rückkehr der guten alten Karbidlampe wird es wohl nie wieder
geben.